Gesünder arbeiten – Impulse für eine bessere Büroarbeit

Einseitige Körperhaltungen, stundenlanges Sitzen verbunden mit Bildschirmarbeit im Büro sind eine Hauptursache für Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Verspannungen und Stress. Sobald sich entsprechende Symptome entwickeln, ist es höchste Zeit etwas dagegen zu unternehmen. Doch auch schon lange vorher sollte der Büroalltag so gestaltet werden, dass sich schädliche Verhaltensmuster erst gar nicht einstellen.

Arbeitgeber wünschen sich einen gesunden, produktiven Mitarbeiter
Arbeitgeber wünschen sich einen gesunden, produktiven Mitarbeiter / Foto: Boggy / fotolia.com

Mit kleinen Veränderungen gesünder arbeiten

Schon mit vergleichsweise kleinen Veränderungen ist es möglich, typischen bürobedingten Beschwerden aktiv entgegenzuwirken.

Wichtig ist dabei ein regelmäßiges und langfristiges Praktizieren, denn ein dynamischer Arbeitsalltag kann Rückenschmerzen aktiv vorbeugen, sodass auch die oft knappe Freizeit wieder mehr Spaß macht.

So betroffen sind Bürotätige

Das Büro ist Arbeitsplatz für viele Menschen, allein in Deutschland sind etwa 17 Millionen Arbeitnehmer täglich dort tätig. Wenn zum langen Sitzen noch andere ungesunde Verhaltensweisen wie Genussmittel-Missbrauch, Fehlernährung oder privater Stress dazu kommen, ist die Entwicklung körperlicher oder psychischer Krankheitssymptome nur noch eine Frage der Zeit. Eine gesündere Büroarbeit ist deshalb nur ein, wenn auch entscheidender Baustein, für mehr Lebensqualität.

Oft werden die ersten Anzeichen auch verdrängt, doch das ist im Hinblick auf die mögliche Entwicklung eines totalen Zusammenbruchs, Burnout, absolut nicht hilfreich. Sind es zu anfangs Nackenschmerzen oder Kopfweh, so können im weiteren Verlauf durch ungesunde Büroarbeit und Bewegungsmangel auch ernsthaftere Erkrankungen die Folge sein.

Arbeitsmediziner warnen daher vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bandscheibenvorfällen, die oft einige Monate andauernde Krankheitsphase verursachen. In nicht wenigen Fällen kann ungesunde Büroarbeit sogar zur Arbeitsunfähigkeit oder Frühverrentung führen.

Damit es erst gar nicht so weit kommt, haben wir nützliche Tipps zusammengestellt, mit denen der Büroalltag gesünder gestaltet werden kann.

Mehr Bewegung in den Berufsalltag bringen

Bewegung für gesunde Büroarbeit wichtig
Bewegung ist für gesunde Büroarbeit wichtig / Foto: contrastwerkstatt / fotolia.com

Das Zauberwort heißt Dynamik, der Arbeitgeber sollte Voraussetzungen dafür schaffen, dass während eines Arbeitstages beliebig oft zwischen sitzender und stehender Position gewechselt werden kann.

Der häufige Stellungswechsel beansprucht viel mehr Muskelketten, als das nur beim stundenlangen Sitzen der Fall wäre.

Stühle, die das dynamische Sitzen unterstützen

Arbeitgeber, welche die langfristige Gesundheit ihrer Mitarbeiter wirklich ernst nehmen, werden also nicht zögern, beispielsweise in elektrisch höhenverstellbare Bürotische zu investieren. Auch Meetings, Telefonate oder Kundengespräche können selbstverständlich ohne weiteres auch in der stehenden Position abgehalten werden.

Ergonomie in den Vordergrund stellen

Der zweite Impuls für eine gesündere Arbeit im Büro betrifft die Ergonomie, denn viele Büroarbeitsplätze sind aus ergonomischer Sicht eine Katastrophe.

Oft stimmen hier schon die einfachsten Grundeinstellungen nicht. So sind beispielsweise viele Schreibtische der Körpergröße entsprechend zu hoch oder zu niedrig aufgestellt, oder können gar nicht justiert werden. Diese Tabelle hilft dabei, die optimale Schreibtisch-Höhe einzustellen.

Bedeutend ist beispielsweise der Abstand der Augen zum Bildschirm oder die Möglichkeit im Stehen aber auch im Sitzen beide Arme um etwa 90° abwinkeln zu können.

Vorteile höhenverstellbarer Schreibtisch
Die Vorteile eines höhenverstellbaren Schreibtisches

Arbeitet man mit einem höhenverstellbaren Schreibtisch, ist das automatische Hochfahren auf immer die gleiche Höhe durch die Memoryfunktion unnötig und sollte zwischendurch immer wieder individuell angepasst werden.

Denn die Körpergröße kann sogar im Tagesverlauf variieren und schon wenige Zentimeter können einen entscheidenden Unterschied ausmachen.

Bequeme Schuhe anziehen

Kleinigkeiten verändern das Büro
Kleinigkeiten können einen großen Unterschied machen / Foto: Rawpixel.com / fotolia.com

Der fünfte Tipp für einen gesünderen Büroarbeitsplatz betrifft das Schuhwerk, etwas, dass viele Arbeitnehmer überhaupt nicht ausreichend bedenken.

Doch der Wechsel in die stehende Arbeitsposition ist wenig hilfreich, wenn Frauen beispielsweise Highheels tragen, die schnell zu Hohlkreuz, Rückenbeschwerden und muskulären Verspannungen führen können.

Durchhalten und zusätzliche Bewegungsanreize schaffen

Einsteiger, die sich erst an Veränderungen im Arbeitsalltag gewöhnen müssen, sollten auf keinen Fall zu früh aufgeben, denn jahrelange negative Gewohnheiten müssen erst Schritt für Schritt verändert und angepasst werden.

Zehnminütige Steheinheiten sind zu Beginn völlig ausreichend. Mit der Zeit kann dann auch ausprobiert werden, welche Tätigkeiten sich im Stehen besonders gut verrichten lassen.

Lesen und Beantworten von E-Mails oder Telefonieren eignen sich sehr für die Bearbeitung in stehender Positionen, längere Texte hingegen sollten sitzend vor dem ergonomisch eingerichteten PC Arbeitsplatz verfasst werden.

Bewegung Büro
Bewegung ins Büro einbringen hilft der Gesundheit
Foto: UBER IMAGES / fotolia.com

Auch zusätzliche Bewegungsanreize im Büro sollten genutzt und niemals unterschätzt werden. Die Fußstütze oder ein Wackelbrett unter dem Tisch animieren dazu, Spielbein und Standbein dynamisch abzuwechseln und damit ganz automatisch etwas Venentraining zu absolvieren.

Außerdem lassen sich im Stehen auch noch viele weitere Übungen für Kraft, Lockerung und Dehnung durchführen.

Das kann selbstverständlich erst einmal auch unter Anleitung von Arbeitsmedizinern oder Physiotherapeuten geschehen, bevor sinnvolle Übungen später dann auch in eigener Regie täglich durchgeführt werden können.

Für Ordnung am Schreibtisch sorgen

Übersicht und Ordnung ist das halbe Leben, das gilt insbesondere auch für die tägliche Arbeit im Büro. Unübersichtlichkeit und Unordnung ist ein hoher Stressfaktor und sollte möglichst ganz vermieden werden.

Nach wichtigen Arbeitsmitteln sollte niemand weit greifen müssen, weshalb diese immer möglichst in einer Armlänge in Sichtweite positioniert werden sollten. Das kann sowohl in der sitzenden als auch stehenden Arbeitsposition durch die Regalanordnung sofort umgesetzt werden.

Pausen

Pasuen sind wichtig
Halten Sie Pausen ein. / Foto: moshbidon / Fotolia.com

Als sehr wichtig im Hinblick auf die Vermeidung chronischer Beschwerden durch Büroarbeit haben sich kurze Pausen erwiesen. Schon ein bewusster schweifender Blick aus dem Fenster kombiniert mit ein paar wirksamen Dehnübungen erfrischt den Geist und die eingerostete Muskulatur.

Diese und andere Mini-Auszeiten sollten sich Arbeitnehmer ganz bewusst schaffen, es ist alles nur eine Frage des Timings und der richtigen inneren Einstellung.

Richtig trinken

Viele Büroarbeiter klagen täglich über Kopfweh, nach arbeitsmedizinischen Untersuchungen kann ein Großteil dieses Symptoms jedoch nur auf Flüssigkeitsmangels geführt werden.

Regelmäßiges, ausreichendes Trinken wird im hektischen Büroalltag oft sträflich vernachlässigt. Ungesüßter Tee, Saftschorlen oder einfach nur klares Wasser sind dabei bessere Alternativen als Bohnenkaffee.

Arbeitsumgebung

Selbstverständlich trägt auch die Arbeitsatmosphäre einen wichtigen Teil zur gesunden Büroarbeit. Das ganze Team sollte also zusammengerufen werden, um subtile Störfaktoren zu entlarven und abzustellen.

laute Kollegen
Störend laute Gespräche von Kollegen beeinflussen die Konzentration
Foto: Syda Productions / fotolia.com

Laute Kollegen sollten darauf angesprochen werden, etwas leiser zu kommunizieren, störendes Telefonklingeln kann durch einen angenehmeren Ton ersetzt oder ständige summende Drucker ausgetauscht oder in einen anderen Raum verfrachtet werden.

Das sind nur einige Beispiele von permanenten Stress- und Störfaktoren, die sich schnell beheben lassen und dann einen sehr positiven Effekt nach sich ziehen.

Übrigens: Lärmbelastungen führen zu enormem Stress und in der Folge zu Krankheiten. Lärm erhöht die Fehlerquote ebenfalls extrem. Durch jahrelange, immer wiederkehrende Arbeitsabläufe ist dies jedoch oft nicht im Bewusstsein von Mitarbeitern oder Geschäftsleitung.

Bei ständig gestressten und kranken Mitarbeitern kann es sich deshalb auch lohnen, einen qualifizierten, unabhängigen externen Berater mit der Aufgabe zu betrauen, krankmachende Störfaktoren zu identifizieren, die der Belegschaft bisher so gar nicht bewusst waren.

Farbe in den Büroalltag bringen

 

Farbe ins Büro bringen
Bringen Sie Farbe in Ihr Büro!
Foto: Safarbi.de / fotolia.com

Farbe an den Bürowänden, freundliche Wandbilder mit Landschaften, Tieren oder Pflanzen schaffen eine gesündere Büroatmosphäre. Ein großer, oft vernachlässigter Einflussfaktor für die Gesundheit am Arbeitsplatz im Büro sind Luftfeuchtigkeit und Temperatur.

20-24 °C und dabei eine Luftfeuchtigkeit von etwa 50 % schaffen ideale Rahmenbedingungen für ein gesundes Arbeiten.

Um dieses Ziel zu erreichen, spielt auch das regelmäßige und richtige Lüften eine entscheidende Rolle. Dabei wird mehrmaliges Stoßlüften am Tag empfohlen, nicht jedoch, die Fenster ständig auf Kipp stehen zu lassen.

Licht und Pflanzen

Natürliches Sonnenlicht ist für die Beleuchtung in vielen Büroräumen leider nicht vorhanden. Künstliche Lichtquellen fürs Büro sollten stets flimmerfrei sein und die Auswahl von Büropflanzen sollte im Hinblick auf mögliche Allergien immer unter der Einbeziehung aller Kollegen erfolgen.

Fazit

Ergonomisch korrekt eingerichtete Arbeitsplätze im Büro, bewährte Ordnungsstrukturen, das richtige Raumklima und das Ausschalten subtiler Störfaktoren tragen neben Pausenmanagement und in den Arbeitsalltag integrierte Bewegungs- und Dehnübungen also viel dazu bei, die Büroarbeit insgesamt gesünder zu machen.

Beitrag kommentieren

Alle Beiträge zum Thema: Ergonomieratgeber

Navigate