Im Stehen arbeiten – Vorteile und Konzept

Zwei höhenverstellbare Scheibtische in einem Büro
Ein Trend der sich immer mehr durchsetzt: Moderne, höhenverstellbare Schreibtische erobern nach und nach immer mehr deutsche Büros. Große Unternehmen gehen mit diesem Beispiel voran und wollen die Rückengesundheit ihrer Mitarbeiter dadurch stärken.

Egal ob im Home Office oder im Büro, wer viel am Schreibtisch arbeitet, kennt die lästigen Rücken- und Nackenschmerzen nach einem langen Tag vor dem Bildschirm.

Um diesen Schmerzen und eventuell schlimmeren Folgen vorzubeugen, ist neben viel Bewegung ein elektrisch höhenverstellbarer Schreibtisch eine sinnvolle Investition. Denn diese Art Tisch ist das perfekte Arbeitsmittel um Rücken und Muskulatur fit zu halten.

Doch warum ist Stehen so viel gesünder als Sitzen? Betrachten wir einmal den menschlichen Körper näher:

Warum Arbeit Im Sitzen auf Dauer gefährlich ist

Sitzen – das neue Rauchen: Eine vor kurzem veröffentlichte Info-Broschüre der AOK provoziert durch diesen sehr aussagekräftigen Titel und zeigt, dass Sitzen zum Alltag für Berufstätige gehört. Wir haben uns dank Computer bzw. IT zu einer sitzenden Gesellschaft entwickelt.

Das klingt erst einmal nicht besonders schlimm, aber das Problem hierbei ist, dass unser Körper von klein an auf Bewegung ausgerichtet ist. Evolutionär und anatomisch betrachtet, sind wir alle sogar richtige Ausdauerläufer. Dennoch ist das Sitzen ist zu einer der häufigsten Körperhaltungen geworden. Das zieht durch diese Regelmäßigkeit Folgen nach sich, die nicht zu unterschätzen sind:

Auszug aus der AOK-Broschüre

  • Bei falscher, vermeintlich bequemer Sitzhaltung erschlafft die Bauchmuskulatur. Dadurch wiederum kann sich der Rücken zum Rundrücken verformen.
  • Bei anhaltender Rundrückenbildung kommt es zu einer ungleichmäßigen Belastung der Bandscheiben, die nun schlecht mit Nährstoffen versorgt werden können.
  • Stress und schlechte Beleuchtung führen zu weiteren Anspannungen im Rücken, oft kommt es auch noch zu Folgebeschwerden wie Kopfschmerzen.
  • Die inneren Organe werden eingeklemmt, vor allem die Atmungs- und Verdauungsorgane.
  • Infolge mangelnder Durchblutung stellen sich Muskelverhärtungen und Muskelverspannungen ein.
  • Ein Defizit an Bewegung führt nach und nach zum Verkümmern der Muskeln.
  • Das Herz-Kreislauf-System wird nicht ausreichend trainiert.

(Quelle: AOK)

Folgeschäden durch die Dauerbelastung Sitzen und einer falsche Sitzhaltung ziehen laut den deutschen Krankenkassen einen milliardenschwere Wirtschafsschäden nach sich – und das jedes Jahr. Im Sinne seiner eigenen Gesundheit sollte man also Haltungsmonotonien und lange Sitzzeiten vermeiden:

Mehr Bewegung in den Arbeitsalltag einbringen

Bewegung bei der Arbeit
Nicht nur in der Freizeit wichtig: Auch auf Arbeit sollte man sich regelmäßig bewegen!

Bewegung assozieren wir meistens mit “Sport”, was viele auf anhieb abschrecken kann. Doch wir Bürotätigen müssen keine athletischen Meisterleistungen verbringen um gesünder zu Arbeiten.

Für das Erste hilft es, die Dauer des Sitzens während der Arbeit (aber auch zu Hause) zu verringern.

Experten schlagen vor, 60% der Arbeitszeit aktiv zu sitzen, 30% zu stehen und 10% seiner Arbeitszeit aktiv und zielgerichtet zu gehen.

Hat man eine durchschnittliche Arbeitszeit von 8 Stunden heißt das täglich: ca. 4 Stunden und 45min sitzen, etwas weniger als 2,5 Stunden stehen und rund 45 Minuten aktives und gezieltes Umhergehen.

Realisieren lässt sich die “60/30/10 Formel” auf vielseitige Art und Weise: Entweder mit einem elektrisch höhenverstellbaren Schreibtisch, worauf ich später eingehen werde, oder indem man seinen Arbeitstag aktiver und bewusster gestaltet.

45 Minuten gezieltes Gehen sind für jeden machbar, wenn man folgende Tipps und Tricks berücksichtigt:

  • Stellen Sie Drucker und Kopierer zentral auf, so dass man sich aktiv zum Drucker bewegen muss, wenn Dokumente geholt werden müssen.
  • Verzichten Sie auf interne Mitarbeitergespräche per Durchwahl oder via E-Mail und Instant Messenger – gehen Sie stattdessen zum Mitarbeiter ins entsprechende Büro.
  • Der Gang zur Kaffeemaschine ist ebenfalls gezielte Bewegung. Kaffeeverweigerer können sich selbstverständlich auch ein Glas Wasser holen.
  • Kleinere Besprechungen kann man mit seinen Kollegen auch beim Gehen abhalten.

Die Arbeit im Stehen lässt sich ohne Steh-Sitz-Tisch ebenfalls realisieren, achten Sie aber darauf, wenn Sie im Stand arbeiten, nicht einfach nur ständig zu stehen, sondern stehen sie aktiv!:

  • Stehen Sie beim Telefonieren auf – idealerweise bei jedem Telefonat.
  • Ebenfalls bewährt haben sich Standmeetings – hier ist man konzentrierter und erhält mehr Aufmerksamkeit.
  • Wichtige Dinge kann man auch mit dem entsprechenden Kollegen in der Teeküche im Stehen besprechen
  • Briefe und andere postalische Dinge können auch im Stehen sortiert und geöffnet werden.
  • Versuchen Sie stets Ihre Konzepte, Pläne und Ideen im Stehen zu notieren

Vorteile bei der Arbeit mit einem höhenverstellbaren Schreibtisch

Leichter wird das ganze selbstverständlich mit einem elektrisch höhenverstellbaren Schreibtisch, welche ab 450€ im Fachhandel erhältlich sind. Mit diesem Tisch lässt sich das Steh-Sitz-Konzept ganz eifach in den Arbeitsalltag integrieren:

Programmierbare Steuerkonsole eines höhenverstellbaren Schreibtisches
Das Bild zeigt eine programmierbare Steuerkonsole eines höhenverstellbaren Schreibtisches. Durch die Programmierbarkeit, kann über einen Zeitintervall die Tischhöhe automatisch geändert werden.

Jeder höhenverstellbare Schreibtisch kann sich auf Knopfdruck zum Stehtisch verwandeln. Idealerweise findet in fest eingestellten Intervallen ein Wechsel der Arbeit vom Sitzen zur Arbeit im Stand statt. Viele moderne Steh-Sitz-Tisch lassen sich bereits darauf programmieren.

Eine Eingewöhnungsphase braucht man dennoch, denn für viele ist die Arbeit im Stehen erst einmal ungewohnt.

Nach mehreren Zyklen hat man sich aber bereits daran gewöhnt. Beachten Sie bei der Stehphase folgende Dinge:

  • Ihre Stehphasen sollten 20 Minuten dauern
  • Wechseln Sie 2 – 3 mal pro Stunde Ihre Haltung
  • Lieber kurz Stehen als eine ganze Stunde
  • Stehen Sie nicht auf ein und dem selben Fleck und vermeiden Sie “statisches Stehen”

Große Unternehmen erkennen, wie wichtig individuelle Arbeitsplätze für die Gesundheit ihrer Angestellten sind.

Die Kosten für einen ergonomischen Arbeitsplatz sind meist gar nicht so hoch wie erwartet, wenn man den Arbeitsausfall und die entsprechenden Kosten berücksichtigt und gegenrechnet.

Vorteile höhenverstellbarer Schreibtisch

Vorteile höhenverstellbarer Schreibtisch
Die Vorteile des höhenverstellbaren Schreibtisches auf einen Blick

Die Arbeit am elektrisch höhenverstellbaren Tisch – insbesondere der Wechsel zwischen Sitzen und Stehen hat nützliche Effekte:

    • Weniger Ermüdungserscheinungen bei der Arbeit
    • Höhere Konzentrations- und Leistungsfähigkeit
    • Im Stand ist man automatisch reaktionsschneller & wacher.
    • Der Wechsel trainiert Rücken- und Beinmuskulatur
    • Die Wirbesäule wird entlastet
    • Der Kreislauf kommt in Schwung

Grundlegende Regeln für die gesunde Büroarbeit

Auch wenn Sie vielleicht bereits einen Steh-Sitz-Tisch haben – beachten Sie trotz immer folgendes:

Der Schreibtisch muss groß genug für Bildschirm, Tastatur, Telefon und andere Geräte sein – Idealerweise heißt das, dass man einen Tisch mit den Mindestenmaßen von 160cm x 80cm nutzt. Diese Größe bietet zudem ausreichend Platz für Unterlagen und Ordner, die bei der Arbeit eventuell benötigt werden.

Neben der Größe ist die Stabilität und Haltbarkeit ein weiterer wichtiger Punkt, der unbedingt berücksichtigt werden sollte. Hochwertige Schreibtische in dezenter Optik fügen sich zudem unauffällig ins Büro ein. Das Design sollte aber nicht von der eigentlichen Arbeit ablenken, deshalb sind spiegelnde Glasschreibtische für langes Arbeiten absolut ungeeignet.

Bildschirm, Schreibtisch und Bürostuhl müssen aufeinander abgestimmt sein. Der Computerbildschirm sollte idealerweise in etwa eine Armlänge entfernt stehen.

Der Laptop - kein geeignetes Arbeitsmittel für längere Arbeitszeiten
Kann gefährlich werden: Notebooks sind nicht für längeres Arbeiten gedacht und können zu Fehlhaltungen bei der Arbeit führen. Sind Sie gezwungen ein Notebook zu benutzen, schaffen Sie sich am besten einen Notebookständer an.

Die erste Zeile auf dem Schirm sollte sich maximal auf Höhe der Augen befinden und wenn der Bildschirm unten leicht nach vorne gekippt wird, entlastet das die Nackenmuskulatur.

Ist die Schrift zu klein, schieben Sie den Bildschirm nicht näher ran, sondern vergrößern Sie stattdessen einfach die Schriftgröße. Jedes moderne Betriebssystem lässt diese Einstellung zu,

Ein Laptop ist für die längerfristige Arbeit (mehr als 4 Stunden täglich) am Schreibtisch völlig ungeeignet.

Das hat folgenden Grund: Durch den niedrigen Stand des Gerätes, beugen wir uns vor. Im schlimmsten Fall nehmen wir eine Haltung mit Rundrücken ein. Abhilfe schafft hier ein Notebookständer, der dafür sorgt, dass man einen gesündere Haltung einnimmt.

Eine weitere Möglichkeit ist, einen externen Bildschirm und eine Tastatur an den Laptop anzuschließen.

Ebenfalls nützlich sind kleine Lockerungsübungen. Diese helfen Verspannungen zu lösen und machen den Kopf wieder frei für neue Gedanken und Ideen.

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