Beleuchtung im Büro – was es zu beachten gilt

Wenn im Büro das Licht angeht …
… dann geht im besten Fall für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen die Sonne auf. Im schlimmsten Fall gibt es Konzentrationsschwierigkeiten und Kopfschmerzen. Warum ist die Beleuchtung so wichtig? Wie sieht die korrekte Beleuchtung im Büro aus? Und vor allem: Was kann bei der Beleuchtung alles schief gehen?

Der Biorhythmus des Menschen ist an das Licht gekoppelt

Der Mensch ist von Natur aus ein tataktives Säugetier. Das klingt nicht besonders wertschätzend, ist aber ganz neutral gemeint: Der Hell-Dunkel-Rhythmus bestimmt unseren Tagesablauf.

Viele Menschen können bei Licht nicht schlafen, wachen mit Sonnenaufgang auf und werden müde, wenn es dunkel ist. Das ist normal. Denn der Körper bildet bei abnehmender Helligkeit (wenn also die Photorezeptoren im Auge nicht mehr genug Lichtreize wahrnehmen) Melatonin. Das Hormon wirkt entspannend, unterdrückt Stuhlgang, senkt die Körpertemperatur etwas ab und bringt damit den Körper in eine Ruhephase. Mit der Konzentration ist es vorbei, Müdigkeit stellt sich ein.

Umgekehrt wird morgens beim ersten Lichtschein ebenfalls die Hormonproduktion angeregt. Selbst bei geschlossenen Augen gelangt immer noch etwas Licht an die Photorezeptoren, die dieses Licht auch im Schlafzustand an das Gehirn Weitermelden. Die Ausschüttung von Melatonin wird gestoppt, stattdessen gelangt Serotonin ins System. Das macht wach, leistungsbereit, konzentriert garantiert eine schnelle Reaktion und optimale Koordination.

Ab etwa 9:00 Uhr morgens gibt der Körper noch etwas Testosteron in die Mischung, was die Effekte verstärkt. Aber so richtig in Schwung kommt die Serotoninausschüttung nur bei einem Wert von 400 bis 600 Lux. Das ist die Leistung, die Tageslichtlampen haben sollten. Was darunter bleibt, ist einfach ungenügend.

Die Lichtfarbe ist wichtig

Smartphones und Displays haben häufig einen hohen Blauanteil im Licht / Foto: Bits and Splits / fotolia.com
Viele Büros sind grell mit weiß-blauem Licht ausgeleuchtet. Das ist eine Lichtqualität, die so in der Natur nicht vorkommt, und die für den menschlichen Organismus alles andere als gesund ist. Blaues Licht wird auch von Displays, Computermonitoren, Bildschirmen, Fernsehgeräten und dem Smartphone abgestrahlt. Das Licht bringt vor allem am späten Nachmittag bis in den Abend und die Nacht hinein den Schlafrhythmus durcheinander.

Im Büro kann ein Licht mit dieser Qualität zwar tagsüber wacher machen. Am Abend macht es aber nicht leistungsfähiger, sondern bewirkt durch die Störung des Schlafrhythmuses (mit Müdigkeit am nächsten Tag als Folge) eher das Gegenteil. Warmes Licht mit wenig Blau-, aber einem höheren Gelbanteil gilt als besser.

Auch das wurde in einer Studie nachgewiesen (vgl. Studie über Blaulicht am Abend: Chang, Anne-Marie, et al. “Evening use of light-emitting eReaders negatively affects sleep, circadian timing, and next-morning alertness.” Proceedings of the National Academy of Sciences (2014): 201418490.)

Für den Computer und das Smartphone gibt es Hilfe. Wer mit Geräten der Marke Apple arbeitet, hat die Software bereits ab Werk dabei: Ein kleines Programm sorgt dafür, dass ab Sonnenuntergang langsam, aber sicher der Blauanteil aus dem Licht verschwindet. Der Bildschirm verändert seine Farbe. Das ist beim Arbeiten nicht immer angenehm, aber es schützt den Biorhythmus und ist auch im Büro absolut empfehlenswert.

Wer mit Geräten einer anderen Marke arbeitet oder wem das Apple-eigene Programm von der Einstellung her zu grobschlächtig ist, der kann sich mit F.lux behelfen. Die App ist kostenlos und läuft auch unter Windows. Abhängig von den Einstellungen kann der Blauanteil des Lichts mehr oder weniger rapide reduziert werden, aber das Programm kann im Notfall auch mal einfach für eine Stunde ausgesetzt werden. Es hilft dabei, die Arbeitsstunden am Abend zu regulieren und zu reduzieren.

Natürliches Licht ist am Besten

Tageslicht für einen perfekten Arbeitsplatz / Foto: peshkova / fotolia.com
Vor allem bei Großraumbüros ist es schwierig, den Raum komplett mit Tageslicht auszuleuchten. Trotzdem sollte das versucht werden. Denn Studien (vgl. Studie Tageslicht vs künstliches Licht: Münch, Mirjam, et al. “Effects of prior light exposure on early evening performance, subjective sleepiness, and hormonal secretion.” Behavioral neuroscience 126.1 (2012): 196)haben ergeben, dass eine natürliche Lichteinstrahlung die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nicht nur konzentrierter und leistungsfähiger macht, sondern auch dem Immunsystem zugute kommt.

Menschen, die unter Tageslicht arbeiten, sind abends weniger abgearbeitet und müde, haben trotzdem einen gesünderen Schlaf und sind bei gleicher Lebensführung seltener erkältet. Ideal ist ein Arbeitsplatz direkt am Fenster. Denn das kommt auch der Augengesundheit zugute: Der Blick kann öfter vom Monitor oder den Papieren weg in die Ferne schweifen. So wird einer arbeitsbedingten Kurzsichtigkeit vorgebeugt, die Augen ermüden weniger schnell.

Wenn es nicht möglich ist, jedem Mitarbeiter und jeder Mitarbeiterin einen Arbeitsplatz am Fenster zu gönnen, kann das Tageslicht über die Architektur ins Büro geholt werden. Glasbausteine machen die Außenwände lichtdurchlässig (und halten sie gleichzeitig blickdicht), Glastüren und große Fenster rund um den Raum herum lassen das Licht bis in die Raummitte vordringen. Dachfenster und -luken können in großen Hallen für durchgängiges Tageslicht sorgen.

Übrigens lässt sich oft durch eine neue Anordnung der Schreibtische schon viel erreichen. Ideal ist es, wenn sich das Fenster seitlich vom Schreibtisch befindet. Denn so kann das Licht auch bei starkem Sonnenschein niemanden blenden.

Eine angenehme Grundhelligkeit ist der Anfang

Im Winter werden Menschen, die sich oft in geschlossenen Räumen aufhalten, eher schwermütig als diejenigen, die im Freien arbeiten. Dunkel und kalt ist es drinnen wie draußen. Aber im Freien herrscht eine gleichmäßige Grundhelligkeit. Das Licht ist überall eher schwach, aber vorhanden. In geschlossenen Räumen dagegen kommt nur vom Fenster her Licht, also aus einer Richtung. Der Rest des Raumes bleibt stark verschattet oder ganz dunkel.

Dagegen hilft eine Lichtanlage, die die Decke als Reflektionsfläche nutzt und so für eine indirekte, aber gleichmäßige Beleuchtung sorgt. Indirektes Licht hebt die Laune direkt, denn es suggeriert natürliches Licht. Im Büro ist die indirekte Beleuchtung über Deckenfluter sehr viel geschickter als eine helle Schreibtischlampe für jeden. Denn die Schreibtischlampe macht wieder nur den einzelnen Schreibtisch hell, während rundherum alles in ein Halbdunkel getaucht bleibt.

Das heißt nicht, dass alle Schreibtischlampen abgeschafft werden müssen. Sie gehören ganz selbstverständlich auch dazu, denn manchmal ist es einfach wichtig, der Arbeitsplatz über ausreichend Licht verfügt. Insbesondere dann, wenn ein heller Computerbildschirm da ist, sollte die Umgebung auch hell sein.

Licht muss beleuchten, nicht blenden

Die Schreibtischlampe sollte dabei stets so aufgestellt sein, dass sie nicht blended. Denn ein zu starker Lichtreiz ist für die Augen genauso anstrengend wie fehlendes Licht. Wenn sich die Pupille ständig weiten und zusammenziehen muss, um mit den unterschiedlich starken Lichtreizen umzugehen, kostet das unheimlich viel Energie. Und die fehlt dann, wenn es um die Arbeitsleistung geht – die Konzentration sinkt.

Wichtig ist, dass auch kein Blenden entsteht, weil sich das Licht der Schreibtischlampe im Monitor des Computers oder im Fenster spiegelt. Und was für den eigenen Schreibtisch gilt, muss für den der anderen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ebenso selbstverständlich sein. Eine Schreibtischlampe gehört auf jeden Schreibtisch, aber eben so, dass im ganzen Büro niemand davon geblendet wird.

Mittagspause nicht vergessen!

Es hat nur indirekt mit der Beleuchtung im Büro zu tun, ist aber dennoch im Zusammenhang von Arbeitsleistung und Licht wichtig: Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sollten die Mittagspause, wenn möglich, im Freien verbringen. Dort können sie ausreichend Tageslicht tanken, ohne den irritierenden Nebenwirkungen von künstlichem Licht ausgesetzt zu sein. Für Arbeitgeber/-innen bedeutet das, dass sie ausreichend Zeit und ein entsprechend anregend gestaltetes Außengelände zur Verfügung stellen sollten.

Die Mittagspause dient nicht allein der Nahrungsaufnahme, sondern eben auch der Regeneration der Arbeitskräfte.

Stichwort Ergonomie: Was hat das mit dem Licht zu tun?

Lichteinfall von hitnen - der bildschirm kann unangenehm blenden
Lichteinfall von hinten – der Bildschirm kann unangenehm blenden
UBER IMAGES / Fotolia.com
Die Forderung nach einem ergonomischen Arbeitsplatz ist seit einiger Zeit recht modern. Meist geht es dann um einen höhenverstellbaren Schreibtisch, einen Bürosessel mit Armlehnen und vielleicht noch eine ergonomische Maus für den Computer. Ergonomie am Arbeitsplatz bedeutet aber auch, dass das Licht ergonomisch eingesetzt wird.

Konkret: Alte Bildschirme und Monitore, die flimmern, gehören auf den Sondermüll. Neue Geräte sind schonender für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Und das gilt auch für die altertümlichen Neonröhren an den Decken und andere flackernde und flimmernde Lichtquellen. Wer sich mit dem Prädikat „ergonomischer Arbeitsplatz“ schmücken will, darf die Lichtführung am Arbeitsplatz nicht vergessen.

Beim Lesen, Schreiben und bei der Buchführung gilt eine Ausleuchtung mit 500 bis 750 Lux als ergonomisch. Für feine Zeichnungen und das Überprüfen von kleiner Schrift, enger Schrift oder technischen Zeichnungen müssen es sogar 1.000 bis 2.000 Lux sein. Die genauen gesetzlichen Anforderungen, die mit den unterschiedlichen Arbeitsplätzen im Büro verbunden sind, können unter ergo-online.de nachgelesen werden.

Eine normalerweise als angenehm empfundene Lichtfarbe erreicht man mit Leuchtmitteln, die im weißen Bereich bei etwa 4.000 Kelvin liegen. Das sogenannte Tageslichtweiß von 7.000 Kelvin wird von vielen Menschen schon als sehr grell empfunden. Für Bildschirmarbeitsplätze kann es aber trotzdem angebracht sein. Bei der Auswahl der Leuchtmittel sollte auf die Farbe des Lichts Rücksicht genommen werden.

Zu guter Letzt: Ergonomische Bildschirme

Hinsichtlich der Bildschirme werden im Allgemeinen LCD-Bildschirme empfohlen. Die sind reflexionsarm und flackern nicht so viel wie andere. Außerdem sind sie strahlungsarm. Die Kontrastieren sollte gut sein, weil das die Sehschärfe steigert. Und dann muss noch auf die Platzierung des Bildschirms geachtet werden: 50 bis 70 cm sollten sich zwischen Bildschirm und Augen befinden, und die Oberkante des Bildschirm sollte minimal unter der Augenhöhe liegen.

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