Bandscheibenvorfall – Symptome und was man dagegen tun kann

Rückenprobleme sind zu einer Volkskrankheit geworden. Über sechzig Prozent der deutschen Bevölkerung hat oder hatte mit Rückenschmerzen zu tun. Fast 200000 Menschen werden jährlich wegen Bandscheibenvorfällen behandelt, 70000 bis 80000 jährlich deswegen operiert.

Büroangestellte und Berufskraftfahrer sind Berufsgruppen die besonders gefährdet sind einen Bandscheibenvorfall zu erleiden.

Das Alter der Betroffenen sinkt ebenfalls. Waren es vor etlichen Jahren noch hauptsächlich Menschen von fünfunddreißig bis vierzig, die von Rückenproblemen betroffen waren, so sind es heute schon Dreißigjährige.

Die Arbeitsunfähigkeitstage wegen Rückenproblemen liegen bei 20-15 Prozent, das sind mehr als 71 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage. Diese mit Recht so genannte Volkskrankheit kostet die deutsche Volkswirtschaft fast 50 Milliarden Euro im Jahr.

Und das liegt auch an der Art und Weise, wie wir uns im Berufsalltag bewegen – oder genauer gesagt – nicht bewegen.


Was ist die Bandscheibe überhaupt?

RueckenschmerzenDie Bandscheiben sind knorpelige, flexible Faserscheiben zwischen den einzelnen Wirbeln. Sie bestehen aus zwei Teilen. Einem Gallertkern und einem ihn umgebenden Faserring. Der Kern besteht aus Glykosaminoglykanen und ist in der Lage, reichlich Wasser zu speichern. Dadurch wird der Faserring unter Spannung gesetzt.

Die Aufgabe der Bandscheiben besteht darin, wie ein Stoßdämpfer zu wirken und Druck auf die Wirbelsäule abzufangen beziehungsweise zu vermindern und den Restdruck gleichmäßig zu verteilen.

Diese stark beanspruchten Faserscheiben verfügen nur über eine gering ausgeprägte Stoffwechselaktivität. Ihre Ernährung erfolgt nahezu ausschließlich passiv über den Ausstrom und Einstrom von extrazellulärer Flüssigkeit aus dem Faserring, der über kleine Blutgefäße verfügt. Der Gallertkern ist gefäßfrei.

Um eine gute Ernährung der Bandscheiben zu gewährleisten, ist es notwendig, dass sie über den gesamten Tag immer wieder ausreichendem Druck ausgesetzt sind. Dieser Druck entsteht durch Bewegung und Inanspruchnahme der Wirbelsäule.

Wird die Bandscheibe gedrückt, geknetet und beansprucht, wird dadurch der Ausstrom der Flüssigkeit aus dem Bandscheibenkern veranlasst. Die Dicke der Zwischenwirbelscheiben nimmt durch diesen Vorgang über den Tag bis zu 1 Millimeter ab. Deshalb kann die Körpergröße am Abend bis zu zweieinhalb Zentimeter verringert sein. Nachts kommt es dann während der Entlastung der Wirbelsäule wieder zum Einstrom von Flüssigkeit, so dass die Bandscheiben am nächsten Tag wieder vollständig regeneriert und einsatzfähig sind.


Das Problem bei wenig Bewegung

Bandscheiben verschleißen schneller, wenn sie schlecht versorgt werden. Da die einzige Form von Ernährung jedoch darin besteht, dass ausströmende Flüssigkeit durch neu einströmende Flüssigkeit, die Nährstoffe mit sich führt, ersetzt wird. Dadurch ist es notwendig die Bandscheiben durch einen Wechsel von Bewegung und Entlastung dazu zu bringen, dass dieser Flüssigkeitsaustausch gut funktioniert. Je mehr Flüssigkeit wieder einströmen kann, umso besser die Versorgung und um so langsamer der Verschleiß.

BandscheibenVerschleiß wiederum bedeutet, dass der Gallertkern nicht mehr so viel Flüssigkeit aufnehmen kann und spröde wird, der Faserring brüchiger wird und von feinen Rissen durchzogen nicht mehr ausreichend dem Druck standhalten kann, der auf ihn ausgeübt wird. So kann es dann zu einem Bandscheibenvorfall kommen. Ein Bandscheibenvorfall bedeutet, dass der Faserring an einer Stelle reißt oder bricht und der Gallertkern ins umgebende Gewebe austritt. Die Beschwerden können unterschiedlich stark sein, je nachdem, ob ein Nerv in Mitleidenschaft gezogen wird oder nicht. Die Bandbreite geht von stärksten Schmerzen und Lähmungen oder Taubheitsgefühle bis zum völligen Fehlen von Symptomen.


Häufige Ursachen

Schlechte Sitzhaltung
Eine schlechte Sitzhaltung, die über mehrere Stunden täglich auf den Rücken einwirkt, kann auf Dauer zum Problem für die Bandscheiben werden.

Mit zunehmendem Alter verschleißen die Bandscheiben immer mehr. Dann reicht es, sie übermäßig oder falsch zu belasten und der Gallertkern kann verrutschen und entweder den Faserring durch einseitigen Druck vorwölben (das nennt man eine Bandscheibenvorwölbung) oder ihn durchbrechen (das ist dann ein Bandscheibenvorfall).

Ein Risiko für einen Bandscheibenvorfall besteht auch schon bei jungen Menschen, die übergewichtig sind und sich wenig bewegen, oder ihre Wirbelsäule falsch belasten oder überlasten. Dies kann beispielsweise durch das falsche Hochheben von Lasten passieren. Wer nach vorne gebeugt und mit einem krummen Rücken eine Last stemmt, übt einseitig starken Druck auf die Bandscheiben der Lendenwirbelsäule aus. Wer Lasten mit geradem Rücken hebt, geht schonender mit seiner Wirbelsäule um.

Ebenso schädlich ist langes und vor allem statisches Sitzen auf dem Bürostuhl. Es übt einen größeren Druck auf die Bandscheiben aus, als es beispielsweise im Stehen der Fall ist und verhindert eine Entlastung. Durch lange Zeit still sitzen verkrampfen die Muskeln und können sich sogar verkürzen. Aber am schlimmsten ist langes Sitzen für Bandscheiben und Gelenke. Sie benötigen ständig über den Tag verteilt Belastung und Entlastung, um fit zu bleiben. Deshalb sind Büroangestellte oder auch LKW-Fahrer Berufsgruppen, die besonders gefährdet sind, einen Bandscheibenvorfall zu erleiden.


Typische Symptome

Ist die Bandscheibe im Bereich der Lendenwirbelsäule verrutscht, so entstehen häufig starke Rücken- oder Nackenschmerzen. Diese Schmerzen können entweder ins Bein oder in den Arm ausstrahlen. Die Schmerzen können plötzlich auftreten, zum Beispiel beim Heben einer Last. Die Schmerzen werden durch jede Bewegung verschlimmert, auch durch Husten oder Niesen. Die Muskulatur ist verhärtet, um das betroffene Gebiet zu schützen, verhärtet sie sich reflexartig. Ist der Ischiasnerv mitbetroffen, so strahlt der Schmerz ins Bein oder ins Gesäß aus. Je nach Schwere können neurologische Ausfallserscheinungen auftreten. Das Bein kribbelt oder wird taub. Auch Lähmungen der Beinmuskulatur können vorkommen.

gesundes Sitzen und mehr Bewegung am Arbeitsplatz Originaltext von: Tipps für gesundes Sitzen und mehr Bewegung am Arbeitsplatz
Schmerzen im Nacken Foto: contrastwerkstatt / fotolia.com

Kommt es zu einem Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule, spürt man die Schmerzen im Nacken. Oftmals wird in einer Schonhaltung der Hals schief gehalten. Die Schmerzen können bis in die Hand, in den Arm oder in den Hinterkopf ausstrahlen. Auch hier kann es zu neurologischen Ausfällen kommen, die sich durch Kribbeln oder Taubheit zeigen.

Bei sehr großen Bandscheibenvorfällen, die den Wirbelkanal und das dort hindurch laufende Rückenmark einengen, kann es zu einem Querschnittsyndrom kommen. Das äußert sich durch Lähmungen oder Gefühllosigkeit der Haut. Harn- und Stuhlinkontinenz können dabei auftreten. Solch massiven Vorfälle sind sehr selten, aber sie gelten als akuter Notfall und müssen sofort operiert werden.

Ein Bandscheibenvorfall, der keinerlei Beschwerden hervorruft, weil er keinen Nerv einengt, muss nicht behandelt werden. Bandscheibenvorfälle kommen oft nicht plötzlich, sondern kündigen sich im Vorfeld durch Kreuzschmerzen an, die eventuell bereits in die Gliedmaßen ausstrahlen.


Prävention

Da die Bandscheiben Bewegung brauchen und langes Sitzen schädlich für sie ist, kann einem Bandscheibenvorfall am besten durch Bewegung vorgebeugt werden. Eine gestärkte Rückenmuskulatur entlastet die Wirbelsäule.

Dabei können besonders rückenfreundliche Sportarten gewählt werden, neben dem Laufen in jeder Art, Schwimmen, hier besonders Rückenschwimmen und Rad fahren mit erhöhtem Lenker und aufrechter Sitzposition.


Im Büro

Wer beruflich täglich mehrere Stunden sitzen muss, sollte stündlich aufstehen und wenigstens zwei bis drei Minuten umher gehen. Ein Gang in die Kaffeeküche oder zum Kollegen reicht für den Anfang schon aus.

Dynamisch SitzenDie Sitzposition sollte ebenfalls oft gewechselt werden. Dabei sollte man sich durchaus auch räkeln und strecken und in bequemer Haltung entspannen. Denn sich im Sitzen viel zu bewegen ist besser als statisches, regungsloses Sitzen. Dieses Prinzip nennt man dynamisches Sitzen und ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Ergonomische Bürostühle sorgen für bessere Sitzhaltungen. Hilfreich sind Modelle mit einer beweglichen Sitzfläche, da man hier immer kleine Bewegungen vollführt, um sich im Gleichgewicht zu halten. Eine Abwechslung zwischen Bürostuhl und Kniestuhl kann auch Entlastung bringen.

Im Stehen arbeitenHöhenverstellbare Schreibtische, die erlauben, dass sowohl im Sitzen wie auch im Stehen gearbeitet wird, sind für die Wirbelsäulengesundheit ebenfalls sehr empfehlenswert. Diese Tische bringen noch weitere positive Effekte mit sich. Beispielsweise erhöht sich die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit im Stehen. Jedoch sollte nicht nur im Stehen gearbeitet werden. Experten empfehlen die 60/20/10 Regel anzuwenden. Konkret heißt das: 60% dynamisch zu Sitzen, 20% im Stehen zu arbeiten und 10% gezielt umherzugehen.


Fazit

Unser heutiges Lebensumfeld zwingt uns oft eine Lebensweise auf, die dem Rücken und den Bandscheiben nicht gut tut. Zum Ausgleich sollte man sich ausreichend bewegen und auch dafür sorgen, dass der Arbeitsalltag bewegter wird. Öfter mal aufstehen, umher laufen, Arbeit im Stehen erledigen, das sind Dinge, die den Bandscheiben Entlastung bieten und sie schützen können.

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