Plastikmüll im Büro vermeiden

Einst wurden Kunststoffe als Wunderstoff gefeiert. Günstig in der Herstellung, flexibel verarbeitbar, haltbarer und viele andere Attribute mehr haben einst den Siegeszug der Kunststoffe begründet. Mittlerweile sind wir aber von so vielen Plastikprodukten umgeben, dass die Kehrseiten dieser Erfindung unübersehbar werden. Landen kaputte Plastikartikel erst einmal auf dem Müll, verwandelt sich das Wunderprodukt in einen ernsten Problemfall, der die Umwelt auf viele Jahre hinweg belasten kann.

Plastikmüll – Die Fakten

Eine besondere Rolle spielt dabei der Verpackungsmüll, da dieser einen Großteil der von uns Menschen erzeugten Müllmenge ausmachen. Laut Umweltbundesamt fielen in Deutschland im Jahr 2015 18,2 Millionen Tonnen an Verpackungsabfällen an, von denen nur rund 69 Prozent recycelt wurden. Trotz gesteigertem Umweltbewusstsein steigt die Müllmenge jedes Jahr aber weiter an. 1996 waren es noch 13,6 Tonnen gewesen.

Anders als vielleicht mancher denken mag, steht Deutschland bei der Vermeidung von Plastikmüll im EU-Vergleich gar nicht so gut da. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln erzeugt jeder Bundesbürger zuletzt 37,4 Kilogramm Abfall aus Plastikverpackungen pro Jahr, was über sechs Kilogramm mehr sind als der EU-Durchschnitt. Nur Irland (60,7 Kilogramm), Luxemburg (52) und Estland (46,5) erzeugen pro Kopf noch mehr Plastikmüll.

Aufgrund seiner großen Bevölkerung ist Deutschland in absoluten Zahlen der mit Abstand größte Produzent von Plastikmüll. Grund also sich neben dem wichtigen Thema Recycling auch über die Vermeidung von Plastikmüll Gedanken zu machen.

Verpackungsabfall pro Einwohner
Verpackungsabfall pro Einwohner in 2015 – Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft

Denn wird dieser nicht recycelt oder verbrannt, sondern auf Deponien geschafft, landet es durch Verwehungen oder Fortspülungen oft im Meer. Bis zu 30 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle landen weltweit jedes Jahr in den Ozeanen. Die Berichte über gigantische Müllstrudel im Meer haben Sie sicher auch schon mit Erschrecken gesehen.

Plastikfrei im Büro

Ganz plastikfrei leben wird man auch mit großen Anstrengungen nicht können. Wer ein Leben ohne Plastik anvisiert, kann durch bewusste Entscheidungen aber einen großen Beitrag leisten. Eine große Rolle kommt bei der Plastikvermeidung neben den Haushalten vor allem auch Institutionen und Unternehmen zu. An Orten wo viele Menschen regelmäßig zusammen kommen, lässt sich die Müllvermeidung besonders wirksam steuern. Hier ein paar Tipps wie man im Büro Plastik einsparen und damit Plastikmüll vermeiden kann.

Arbeitsmaterialien ohne Plastik ausgeben

Im Unternehmensalltag kommen viele Verbrauchsartikel zum Einsatz, von denen die meisten aus Kunststoffen gefertigt sind. Da diese in der Regel vom Arbeitgeber bereitgestellt werden. Besonders häufig verwendet werden Mappen, Ordnungssysteme und Stifte aus Wegwerfplastik. Meist ist deren Bestellung reine Gewohnheit und basiert nicht einmal auf praktischen Gründen oder weil diese günstiger sind.

So werden Klarsichthüllen oder Plastikhefter bestellt, obwohl auch Kartonmappen aus Recyclingmaterial geeignet wären. Statt den Mitarbeitern hochwertige Kugelschreiber zu geben, bei denen man die Mine ersetzen kann, werden einfach Großpakete an Wegwerfstiften gekauft. Weiter geht es bei Ablagen aus Plastik, Ordnern oder anderen Verbrauchsartikeln wie etwa Spitzern oder Textmarkern für die es ebenfalls plastikfreie Alternativen gäbe.

USB Stick aus Holz
Werbematerial mal anders – Mit einem USB-Stick aus Holz reduziert man den die Produktion von Plastikmüll. Das Firmenlogo lässt sich sogar eingravieren.

Nicht zu vergessen sind dabei auch die oft tausendfach bestellten Kundengeschenke mit Firmenlogo, welche über die Mitarbeiter zu Werbezwecken in Umlauf gebracht werden. Dabei kann ein bewusster Schwenk zu ökologischen Materialien geschickt mit der Unternehmens-PR verknüpft werden, dass daraus ein wirklicher Mehrwert entsteht.

Das Kaffeekapsel-Problem

Ein weitere, nicht zu unterschätzende Quelle von Plastikmüll im Büro sind die in Kaffeeautomaten meist eingesetzten Kapseln. Hierzulande ist Nespresso dabei besonders gut im Geschäft, das Unternehmen seine leicht wartbaren und bedienbaren Kaffeemaschinen mitsamt Kaffee als bequeme Rundumlösung anpreist. Über die dadurch entstehenden Müllmengen wird allerdings einfach hinweggesehen.

In vielen Büros wird heute Kapsel-Kaffee getrunken. Foto: Andrés Nieto Porras
CC BY-SA 2.0

Die Idee dazu ist gar nicht so alt und stammt wie so vieles aus den USA. Der Erfinder John Sylvan und Gründer des US-Marktführers für Kapsel-Kaffee Keurig bereut seine Schöpfung mittlerweile aufgrund der dadurch entstehenden Müllberge. Da er aber aus dem Unternehmen ausgeschieden ist und viele andere Firmen das Konzept kopiert haben, hilft das wenig. Alleine Keurig macht mit seinem Kapsel-Kaffee im Jahr 5 Milliarden Dollar Umsatz. Dabei ging es doch früher auch ohne die kleinen Kapseln, welche obendrein auch noch extrem teuer sind.

Gerade in Büros mit mehr als 20 Angestellten kann sich die Anschaffung eines teuren Kaffee-Vollautomaten schnell lohnen und ist langfristig viel Billiger, da bei diesem prinzipiell nur Wasser, Bohnen und Strom benötigt werden. Zwar ist hierbei eine regelmäßige Reinigung nötig. Diese lässt sich aber relativ problemlos durch die Reinigungskräfte durchführen lassen, welche sowieso in regelmäßigen Abständen das Büro säubern.

Getränke und Wasser

Aber nicht nur durch Kaffee entsteht im Büroalltag Plastikmüll, sondern auch durch andere Getränke und vor allem für Trinkwasser. Nicht alle Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern kostenlose Getränke an, aber bei größeren Firmen ist dies mittlerweile durchaus üblich. Wer als Unternehmer einen Beitrag zur Müllvermeidung leisten will sollte genau hier ansetzen. Denn um gesund und fit zu bleiben, sollte jeder Mensch pro Tag zwischen zwei und drei Liter Flüssigkeit zu sich nehmen. Da hierbei meist Wasser aus Plastik-Einweg-Pfandflaschen genutzt wird, kommt schon in kurzer Zeit schnell eine große Müllmenge zusammen.

Viele Unternehmen haben die Bedeutung ausreichenden Trinkens für die Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter bereits verstanden und setzen mittlerweile auf Wasserspender, an denen sich jeder wann immer er Durst hat, bedienen kann. Leider kommt dabei die Müllproblematik meist ebenfalls zu kurz und es werden Wegwerf-Plastikbecher eingesetzt, von denen diese viele später nicht einmal ordentlich recycelt werden sondern im allgemeinen Restmüll landen, weil die Mitarbeiter die Becher ja mit sich herumtragen.

Dabei könnte die Lösung ganz einfach sein. Unternehmen wie Waterlogic bieten statt der Gallonen-Wasserspender, für die zusätzlich ein Lieferdienst genutzt werden muss, moderne Wasserspender mit Festwasseranschluss an. Bei verschiedenen Modellen ist dabei sogar die Kühlung, Erhitzung, Filterung und Desinfizierung per UV-Licht möglich. Im Gegensatz zu den wieder befüllbaren Systemen sind diese Wasserspender zwar in der Anschaffung etwas teurer. Die laufenden Kosten sind aber derartig niedrig, dass sie sich schon nach kurzer Zeit wieder amortisieren.

Wer diesen Schritt geht, sollte dabei die Trinkgefäße nicht vergessen. Statt Plastikbechern kann man der eigenen Belegschaft auch Pappbecher anbieten. Bei diesen entstehen aber ebenfalls Müll und laufende Kosten. Im Großhandel zahlt man für fünfzig Becher im Großpaket rund drei Euro. Für den gleichen Preis pro Stück kann man den eigenen Mitarbeitern auch schicke Gläser und Tassen spendieren, die sich nach wenigen Wochen ebenfalls wieder amortisiert haben.

Plastikfrei im Büro werden Sie trotz dieser drei Maßnahmen zwar nicht arbeiten können. Ein Großteil der anfallenden Plastikmüllmenge lässt sich dadurch aber einsparen. Auch wenn Sie nur als einfacher Mitarbeiter in einem Unternehmen tätig sind, könnten Sie sicherlich anregen, Maßnahmen zur Plastikvermeidung zu implementieren.

Über den Gastautor

Sidrah ist Autorin bei Waterlogic, einem internationalen Anbieter von Wasserspendern für Büro- und Geschäftsräume. Im Rahmen ihrer Tätigkeit bei Waterlogic hat sie bereits an vielen umweltbezogenen Blogbeiträgen mitgewirkt – zum Beispiel über unsachgemäße Müllentsorgung, die Verwendung von Einweg-Plastik und Wasserverschmutzung. Des Weiteren gilt ihr Interesse Themen wie Gesundheitsforschung, medizinischem Fortschritt und der Umwelt.

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