Musik hören während der Arbeit – darf ich das?

Musik hören gehört zu den ältesten Beschäftigungen der Menschheit, schenkt Entspannung und positive Emotionen. Doch gerade am Arbeitsplatz scheiden sich an ihr die Geister. Was des einen Freud ist des anderen Leid. Wie viel Musik ist im Büro eigentlich erlaubt und was ist dabei zu beachten? Gibt es Musik, die sogar die Arbeitsleistung steigert?


Musik und Arbeitsleistung

Bereits im Jahr 1985 fand eine Studie heraus, dass Menschen, die Nachtschicht arbeiten oder einer monotonen Tätigkeit nachgehen, ihre Arbeit mit Musik leichter und effektiver verrichten können.

Eine Forschergruppe des renommierten Max Planck Instituts in Leipzig bestätigte dieses Ergebnis und kam zu dem Schluss, dass vor allem das Anhören der jeweiligen Lieblingsmusik die Arbeitsleistung deutlich steigert. Gleichzeitig wird dabei auch intensiver Sauerstoff eingeatmet, was den Energieverbrauch bei der Tätigkeit reduziert und somit fitter macht.

Vor allem das Tempo scheint einen großen Einfluss zu haben, wenn die Rhythmen schnell sind, ist es auch der Mitarbeiter. Der Grund dahinter ist, dass Menschen sich immer unbewusst dem Gehörten anpassen. Wenn die Musik jedoch zu hektisch und laut wird, kann sich selbst der Hartgesottenste nicht mehr richtig konzentrieren.

Gleichmäßige Rhythmen in gemäßigter Lautstärke haben sich als am besten für die Produktivität herausgestellt. Das heißt, eine Musik, die im Hintergrund spielt, aber den Arbeitenden nicht ablenkt.


Welche Musik steigert die Produktivität?

Wird jedoch die falsche Musik gespielt, sinkt die Leistungsfähigkeit Foto: Syda Productions / fotolia.com
Wird die falsche Musik gespielt, sinkt die Leistungsfähigkeit Foto: Syda Productions / fotolia.com

Am besten motiviert man sich mit seiner Lieblingsmusik, doch das ist vor allem in einem Großraumbüro nicht immer möglich, da die Geschmäcker der Kollegen nicht unter einen Hut gebracht werden können. In diesem Fall empfiehlt sich eine Hintergrundmusik für alle, damit die Arbeitsleistung trotzdem von den Klängen profitieren kann.

Klassische Musik von Mozart oder Bach ist etwas, das immer im Hintergrund geht. Studien belegen, dass die alten Meister erheblich zu einer Steigerung der Konzentration beitragen können und der Belegschaft gute Laune und Ausgeglichenheit bescheren.

Wenn sanfte Naturgeräusche wie ein Regenwald oder Blätterrauschen abgespielt werden, braucht niemand zu befürchten, dass die Mitarbeiter einschlafen. Zwar beruhigt Naturmusik, erhöht aber gleichzeitig die Konzentration. Die Hirnanhangdrüse schüttet das Wachstumshormon HGH aus, was die Stresshormone Adrenalin und Cortisol im Blut absinken lässt. Somit sinken auch Herzfrequenz und Blutdruck und der Körper befindet sich in einem aufmerksamen, aber entspannten Zustand.

Filmmusik ist etwas, mit dem sich die meisten identifizieren können. Schlüsselszenen ist auch musikalisch eine gewisse Dramatik zueigen, was sich auch auf die zu bewältigenden Aufgaben niederschlägt. Die fühlen sich dann nämlich wichtiger an.

Wird jedoch die falsche Musik gespielt, kehrt sich der Effekt um. Arbeitnehmer sind dann weniger leistungsfähig und sogar häufiger krank. Forscher haben beobachtet, dass eine ungünstige Musikauswahl am Arbeitsplatz bei den Mitarbeitern sogar Symptome der Dyslexie hervorrufen kann. Das heißt, sie sind nicht mehr in der Lage, Wörter richtig zu lesen, zu verstehen und anschließend zu schreiben.


Hintergrundmusik – eine für alle?

Viele Arbeitsstätten haben sich für eine Hintergrundmusik entschieden. Unter Umständen erfreut die vielleicht die Ohren des ein oder anderen Mitarbeiters, kann sich aber trotzdem als Fehlgriff erweisen, wenn es gilt, die Produktivität zu steigern.

Zwei US-amerikanische Forscherinnen haben nämlich herausgefunden, dass es besser ist, eine Hintergrundmusik zu wählen, die zu der jeweiligen Aufgabe der Mitarbeiter passt.

Arbeitnehmer, die relativ monotonen Tätigkeiten nachgehen und Daten erfassen oder Akten sortieren, brauchen weniger Inspiration als vielmehr Klänge, die ihnen helfen, alles schnell und zufriedenstellend zu erledigen. Hierfür eignet sich Rap gut, aber auch Popmusik quer durch die Charts und aktuelle Sommerhits, aber keine gefühlvollen Balladen und Liebeslieder.

Wer viel schreiben und lesen muss, den können Worte ganz schön ablenken. Leise Popmusik im Hintergrund ist hier eher kontraproduktiv für die Konzentration. Instrumentalmusik, Klassik ohne Gesang und Loungeklänge machen sich in diesen Branchen am besten.

Richtig kreative Aufgaben werden laut den Forscherinnen am besten ohne Musik gelöst. Allenfalls zum Einstieg sind ein paar fetzige Klänge erlaubt.


Musik als Verkaufsargument

Musik kann die Konsumenten positiv beeinflussen und zum Kaufen animieren. / Foto: jonasginter
Musik kann die Konsumenten positiv beeinflussen und zum Kaufen animieren. / Foto: jonasginter

Vielleicht will der Chef nicht mitziehen bei einer sanften Hintergrundmusik in den Verkaufsräumen. Doch Musik kann nicht nur die Belegschaft, sondern auch die Konsumenten positiv beeinflussen und zum Kaufen animieren.

Das Neuromarketing greift hier auf Erkenntnisse aus Psychologie und Hirnforschung zurück. So regt Musik im Laden im Gehirn das Belohnungszentrum an. Wird eine Musik gespielt, die den Kunden anspricht, zeigt sich der Wunsch, dieses Produkt auch zu haben.

Versuche in Supermärkten haben bestätigt, dass die Konsumenten deutlich kauffreudiger bei einer Aktionswoche mit französischen Weinen waren, wenn sie im Hintergrund Musik hörten, die sie in ihrer Vorstellung mit Frankreich verbanden. Wurde jedoch deutsche Musik gespielt, ging der Griff trotz besserer Angebote und Aktionswoche zu deutschen Weinen.


Wie viel Musik ist am Arbeitsplatz erlaubt?

Ein Arbeitgeber kann entscheiden, ob er Radio oder iPods in seinem Betrieb gestattet oder nicht. Trotz allem ist ein generelles Verbot von Musik am Arbeitsplatz nicht zulässig, wie das Bundesarbeitsgericht entschieden hat (Beschluss vom 14. Januar 1986, 1 ABR 75/83).

Ein Arbeitgeber kann sich auch nicht auf das Direktionsrecht berufen, da Musikhören nicht das Arbeitsverhalten betrifft, das eben diesem Recht unterliegt. Es handelt sich beim Radiobetrieb am Arbeitsplatz nämlich um die betriebliche Ordnung, da es um die Zusammenwirkung mehrerer Arbeitnehmer geht. Sollte ein Arbeitgeber eine solche Verbotsregelung schaffen wollen, geht das nicht ohne den Betriebsrat. Denn der ist bei Fragen zur betrieblichen Ordnung zuständig für die Schaffung einer einvernehmlichen Regelung.

War das Musikhören am Arbeitsplatz jedoch bislang erlaubt, könnte es der Chef mit solch einer neuen Anordnung schwer haben. In der Regel zeigen sich Arbeitgeber recht tolerant, was das Musikhören am Arbeitsplatz betrifft, solange der Kundenkontakt darunter nicht leidet. Dennoch gibt es Arbeitsplätze wie zum Beispiel Callcenter, bei denen Hintergrundmusik grundsätzlich verboten ist.

Herrscht ein Musikverbot am Arbeitsplatz und der Mitarbeiter verstößt dagegen, kann eine Abmahnung ausgesprochen werden und bei erneuter Verfehlung sogar die Kündigung. Dies ist auch der Fall, wenn der Mitarbeiter versucht, das Musikverbot mit Kopfhörern zu umgehen.


Darf man Musik mit Kopfhörern am Arbeitsplatz hören?

Musik hören über Kopfhörer stört die Kollegen im Normalfall nicht / Foto: kulikov922

Gerade in Großraumbüros mit dünnen oder gar keinen Trennwänden wird es immer Kollegen geben, die sich von einem Radio belästigt fühlen. In diesem Fall kann es hilfreich sein, Musik über Kopfhörer anzuhören, bevor ein Konflikt eskaliert.

Möchte der Chef das nicht, wird es schwierig sein, das in einem normalen Büro zu verbieten. Der Arbeitnehmer ist zwar verpflichtet, seiner Arbeit ordnungsgemäß und sorgfältig nachzukommen, doch zur Erbringung dieser Leistung ist er in Eigenregie verpflichtet. Solange er seine Pflichten erfüllt und ihm keine Fehler unterlaufen, verstößt der Arbeitnehmer nicht gegen seinen Arbeitsvertrag, wenn er einen Kopfhörer zum Musik hören benutzt.

Unternehmen wie Google ermutigen ihre Mitarbeiter sogar darin, mit dem Kopfhörer im Büro zu sitzen, da auf diese Weise eine produktive Wohlfühlatmosphäre gefördert wird. Trotz allem sollte der Kopfhörer nicht ohne die Erlaubnis des Chefs aufgesetzt werden, denn im schlimmsten Fall kann dann eine Abmahnung drohen.

Verboten werden können die Kopfhörer, wenn der Mitarbeiter durch die Lautstärke der Musik nicht mehr in der Lage ist, Telefonanrufe zu hören oder Kundschaft wahrzunehmen. In bestimmten Jobs, bei denen Maschinen oder Fahrzeuge bedient werden müssen, kann der Kopfhörer aus Sicherheitsgründen verboten werden.


Rücksicht auf die Kollegen nehmen

So toll das Lied gerade sein mag, ein herzhaftes Mitsingen geht überhaupt nicht im Büro. / Foto: Africa Studio

Etwas Musik am Arbeitsplatz kann Wunder wirken, doch sind hierbei ein paar Anstandsregeln zu beachten. Gibt es im Büro ein Radio für alle, sollte das jedoch nicht in Discolautstärke dröhnen. Kommunikation mit Kollegen sollte immer noch möglich sein und auch das Telefon darf nicht überhört werden. So toll das Lied gerade sein mag, ein herzhaftes Mitsingen geht überhaupt nicht im Büro. Selbst Summer können auf Dauer ziemlich nervtötend sein.

Um Konflikte im Großraumbüro gar nicht erst entstehen zu lassen, sollten Arbeitnehmer am besten auf Kopfhörer zurückgreifen, vorausgesetzt, der Chef hat sein Einverständnis gegeben. Wer alleine in einem Raum sitzt, hat natürlich mehr Freiheiten, doch auch hier ist im Sinne des Betriebsklimas darauf zu achten, dass nicht der Flur mit beschallt wird.


Rundfunkgebühren und GEMA

Wird ein Radio im Büro betrieben, dann fallen die üblichen Rundfunkbeiträge an. Das gilt auch, wenn das Radio nur sporadisch läuft oder in den Rundfunkgebühren eines Privathaushaltes schon berücksichtigt ist. In Unternehmen richtet sich die Rundfunkgebühr nach der Anzahl der Beschäftigten, der Betriebsstätten und der genutzten Kraftfahrzeuge. Dafür ist monatlich eine Pauschale zu entrichten.

Wenn am Arbeitsplatz Musik gespielt wird, fallen unter Umständen Lizenzgebühren für die GEMA an. Dazu muss aber die Musik in einem öffentlichen Raum, das heißt, an einem Ort mit Kundenverkehr, abgespielt werden. Läuft die Musik in einem geschlossenen Büro oder einem sonstigen Nebenraum, müssen keine Gebühren bezahlt werden. Das gilt selbst dann, wenn der Kunde im Verkaufsraum zufällig diese Musik hört, auch wenn sie nicht für seine Ohren bestimmt ist. Wird privat unter Kollegen gefeiert, entstehen keine Kosten, Betriebsfeste sind allerdings gebührenpflichtig.

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