Mit Kollegen umgehen, die man nicht mag

Dass man sich nicht mit jedem Menschen wirklich gut verstehen kann, gehört wohl oder übel absolut zur Normalität gesellschaftlichen Zusammenlebens. Als immer unabhängiger werdende Individuen mit eigenen Ideen und Vorstellungen von der Welt sind wir manchmal einfach auch zu verschieden, um uns immer einig werden zu können. Daher wäre es geradezu verrückt zu glauben, dass jeder dieselben Vorlieben hat oder die selbe Art Mensch sympathisch findet.

Im gewöhnlichen Alltag ist es dabei meist wesentlich einfacher, Menschen aus dem Weg zu gehen, die nicht auf derselben Wellenlänge sind und maximal noch höflich zu grüßen. Im Büro kann es dagegen wesentlich kniffliger werden, wenn die Chemie zwischen unterschiedlichen Mitarbeiter/-innen einfach nicht stimmt. Bestimmte Projekte sind oft gemeinsam zu absolvieren und auch generell ist es zum Fortschritt und Gelingen des eigenen Tätigkeitsfeldes und damit verbundenen Aufgaben meist sinnvoll, die Kollegen und Kolleginnen als Ansprechpartner/-innen für Fragen und Schwierigkeiten an seiner Seite zu wissen.

Darüber hinaus ist es natürlich immer schön, wenn ein ausgelassenes Arbeitsklima herrscht und sich alle gut verstehen. Was Sie dem gegenüber tun können, wenn einfach der „Wurm drin“ ist, wenn Ihre Kolleg/-innen Sie oder Sie Ihre Kolleg/-innen irgendwie nicht verstehen oder sie gar unfair behandelt werden, soll im Folgenden näher betrachtet werden.

Ein ungutes Gefühl oder: wenn die Chemie einfach nicht stimmt

Kollege mag mich nicht / Foto: Antonioguillem / fotolia.com
Manchmal sagt die Körpersprache schon alles. / Foto: Antonioguillem / fotolia.com
Zahlreiche subtile Signale können darauf hindeuten, dass Ihr Gegenüber Ihnen nicht ganz wohlgesonnen ist. Etwa das Vermeiden von Augenkontakt oder auch das Ausweichen in Gesprächen und entsprechend reservierte Antworten können Indizien für eine persönliche Abneigung Ihnen gegenüber sein.

Oftmals gibt es dafür gar keinen bestimmten Grund – die Chemie stimmt einfach nicht. Dagegen können Sie dann auch wenig tun, denn so etwas ist nicht ungewöhnlich und Ihnen selbst vermutlich auch schon passiert. Gerade im Büro lohnt sich natürlich trotzdem, sich um einen freundlichen und höflichen Umgang zu bemühen, um das Betriebsklima möglichst harmonisch zu halten.

Fragen Sie sich beim Auftreten von Problemen mit Kollegen und Kolleginnen am Besten als aller erstes einmal, ob hier tatsächlich fehlende Sympathie das Problem ist oder der Kollege beziehungsweise die Kollegin hinsichtlich bestimmter Fragestellungen einfach nur anderer Meinung ist.

Unfaire Behandlung und/ oder ein schwieriger Umgang

Etwas anderes ist es, wenn Kollegen oder Kolleginnen sich plötzlich als Grüppchen zusammenschließen und beginnen, Sie zu meiden oder durch Blicke und Verhalten irgendwie in Bedrängnis zu bringen. Ebenso schwierig ist es, wenn ganz bestimmte Personen verhalten Ihnen gegenüber sind und es deshalb zu Schwierigkeiten und einer gedrückten Stimmung des Arbeitsklimas kommt.

Einen Vertrauten oder eine Vertraute finden

Wenn Sie bemerken, dass Kolleg/-innen Ihnen vermehrt ausweichen und Sie plötzlich von einer oder mehreren Person(en) im Büro auffällig gemieden werden, hilft es, sich jemandem im näheren (Arbeits-) Umfeld anzuvertrauen und um Rückmeldung oder dessen/deren Meinung zu bitten.

Vielleicht verhält sich der Kollege/ die Kollegin auch anderen gegenüber meist etwas reserviert und distanziert oder Sie haben unbewusst etwas gesagt oder getan, dass sie oder ihn verärgert haben könnte.

Gelegentlich werden vor allem aber auch besonders dominante Typen eher mit Zurückhaltung behandelt. Vielleicht trifft das auch auf Sie zu und Kolleg/-innen haben einfach etwas Respekt vor Ihrem Temperament.

Das Gespräch suchen

Suchen Sie das Gespräch!
Suchen Sie das Gespräch! / Foto: prachid / fotolia.com
In jedem Fall hilft es, das Gespräch mit dem oder den jeweiligen Kolleg/-innen zu suchen und sich einer Aussprache zu stellen. Das Arbeitsklima wird anderenfalls sehr darunter leiden, wenn ein unausgesprochener Konflikt über lange Zeit im Raum schwebt.

Wählen Sie ein möglichst neutrales und privates Umfeld für eine möglichst sanfte Konfrontation und ziehen Sie – wenn nötig – vielleicht auch eine neutrale Person – etwa einen Mediator oder ähnliches – hinzu.

Generell ist dann vor allem Diplomatie sehr wichtig, um die eventuell aufgeladene Situation zu entschärfen. Beginnen Sie das Gespräch mit einem leichten Thema, etwa einer eventuellen Gemeinsamkeit. Naheliegend wäre hier ganz einfach ein Thema aus dem Büro. Fragen Sie Ihren Gegenüber dann höflich, ob Sie in der Vergangenheit etwas getan haben, dass ihn verärgert haben könnte oder was Sie dazu beitragen können, um die Situation nun zu verbessern.

Es ist hierbei besonders wichtig, Anschuldigungen zu vermeiden und – sollten Sie solche selbst bekommen – im Gegenzug verständnisvoll zu reagieren. Will oder kann sich Ihr Gegenüber (aus welchen Gründen auch immer) nicht so recht positionieren, können Sie eigene Schwächen (beispielsweise ein gelegentlich überschwängliches Temperament) zur Sprache bringen oder sonstige Vorschläge unterbreiten, die mit dem Problem zu tun haben könnten und so herausfinden, ob Sie an irgendeiner Stelle den Nagel auf den Kopf treffen.

Es ist vor allem auch wichtig in dieser Situation offen zu bleiben und Verantwortung zu übernehmen, selbst wenn die tatsächliche Ursache für den schwierigen Umgang mit der Person nicht unbedingt auszumachen ist.

Wenn nichts hilft: Ruhe bewahren

Wenn alles nichts hilft und die Wogen einfach nicht durch ein klärendes Gespräch zu glätten sind, bleibt Ihnen im Grunde nichts weiter übrig, als möglichst friedlich Ihren Aufgaben nachzugehen und dem schwierigen Kollegen seinen oder der schwierigen Kollegin ihren Raum zu lassen. Zeigen Sie dennoch immer Rücksicht und Verständnis.

Schließlich hat jeder sein eigenes Päckchen zu tragen und niemand kann wissen, welche Ursachen dem Verhalten anderer zugrunde liegen – gerade dann nicht, wenn er oder sie sich dazu nicht äußern möchte.

Machen Sie das Beste aus der Situation

Sie haben versucht, die Situation durch ein direktes Gespräch zu schlichten – viel mehr können Sie erst einmal nicht tun. Solange das Klima im Büro nicht zu angespannt wird und/oder Kleinkriege während der Arbeitszeit ausbrechen ist es durchaus möglich, trotzdem relativ produktiv und friedlich zu arbeiten.

Vielleicht lassen sich so manche besonders schwierige Situationen (in Verbindung mit einem ebensolchen Verhältnis zu dem oder den Kollegen oder Kolleginnen) einfach besser auf Dauer und in kleinen Schritten lösen.

Versuchen Sie Sich deshalb einfach stets von Ihrer besten Seite zu zeigen. Bieten Sie nach Möglichkeit Ihre Hilfe an, zeigen Sie Ihren Kollegen und Kolleginnen häufiger Ihre Wertschätzung und bitten Sie sie gegebenenfalls hin und wieder um Rat. Sie werden sich so geschätzt fühlen, allgemein ein wesentlich besseres Gefühl mit Ihnen verbinden und möglicherweise allmählich auch offener Ihnen gegenüber sein.

Achten Sie aber unbedingt darauf, nicht zu aufdringlich zu werden oder Ihre gesamte Zeit in die Überzeugung der Kollegen und Kolleginnen zu investieren, denn dies könnte sich schließlich als kontraproduktiv erweisen und die Situation nur verschlimmern.

Bleiben Sie stark – als Mensch

Egal ob Sie das Gefühl haben, von Ihren Kollegen und Kolleginnen oder einem/ einer bestimmten nicht gemocht oder ungerecht behandelt zu werden: es lohnt sich zu aller erst immer ein persönliches Gespräch. Wenn dieses nicht den gewünschten Erfolg hat und gewissermaßen auf taube Ohren stößt, bleibt Ihnen schließlich nichts übrig, als das Beste aus der Situation zu machen.

Bleiben Sie möglichst professionell und finden Sie einen Weg, mit der aktuellen Situation umzugehen. Häufig ist es schließlich auch das Konkurrenzdenken, welches Kollegen beziehungsweise Kolleginnen (im schlimmsten Fall) zu Feinden oder Feindinnen werden lässt und Streit provoziert. Zeigen Sie sich also als Mensch, regen Sie Gespräche über alltägliche Probleme an und stiften Sie so ein wenig mehr das Gefühl, dass doch alle im selben Boot sitzen.

Letztlich können Sie niemanden dazu zwingen, Sie zu mögen. Es ist aber möglich, trotzdem friedlich und in angenehmer Atmosphäre zusammen zu arbeiten. Wer sagt denn, dass Sie gleich beste Freunde oder Freundinnen werden müssen?

[Gesamt:5    Durchschnitt: 3.4/5]

2 Kommentare

  1. Annalena

    Guten Tag,

    ich habe Ihren Artikel gelesen, muss Ihnen aber sagen, dass es mir leider nichts bringt.
    Kurz zu meiner Geschichte:

    Nachdem mein Chef aus Krankheitsgründen seine Firma für immer schließen musste, wude ich im Dezember 2016 ungewollt arbeitslos. Lange Zeit saß ich ( gelernte Medizinische Fachangestellte ) zu Hause und fand trotz guter Noten und zahlreichen Fortbildungen nur Stellen, welche mich auf 450 Euro Basis beschäftigen wollten.
    Da ich mich bei meiner Krankenkasse aber gerne selbst versichern wollte, musste es also zumindest eine Halbtagsstelle sein, damit ein gewisser Verdienst zusammenkommt.

    Nach langer Zeit, in der sich nichts tat und ich schon die Hoffnung aufgeben wollte, fand ich endlich eine Stelle als Reinigungskraft, die mich bisher immer bezahlt hatte. Nachdem ich ein paar Wochen für die Firma XXX gearbeitet hatte, wurde meine Kollegin, die mich im zu reinigenden Objekt einführte ( dabei handelt es sich um eine Schule mit insgesamt 3 Stockwerken ) und schon etwas älter ist sehr schwer krank. Das Endresultat war, dass sie nicht mehr arbeiten konnte und mein Chef on mir erlangt hatte, dass ich die Grundschule komplett alleine reinige.
    Nachdem es dann geschlagene 2 Monate so weiter ging und sich die Beschwerden meinerseits wie auch die der Lehrer und des Hausmeisters häuften ( es dürfte an dieser Stelle leicht verständlich sein, dass eine Reinigungskraft alleine kein komplettes Schulgebäude reinigen kann ), gab mein Chef ziemlich entnervt nach und gab mir jemanden an die Seite, der mir helfen soll. Leider hat mein Chef die etwas seltsame Angewohnheit ( und das, obwohl die Firma unter chronischem Personalmangel leidet ) mehr Aufträge anzunehmen als er mit dem vorhandenen Personal bewältigen kann. So kam es in der Vergangenheit auch immer wieder vor, dass ich trotz Beschwerden durch den Hausmeister und der Lehrer mit den Reinigungsarbeiten in bereits genanntem Gebäude alleine gelassen wurde.

    Eines Tages ging es darum, dass in der Schule einen Großputz geben sollte, mit dem man mich aber auch wieder alleine gelassen hatte.

    Großputz bedeutet in diesem Fall:

    a) Schultische und Stühle nicht nur oben drauf, sondern auch unten und an den Beinen gründlich reinigen
    b) alles, was im Klassenzimmer beweglich ist rausstellen
    c ) Fußboden kehren, wischen und anschließend alles, was man raus geholt hat wieder reinstellen.

    Also machte ich mich daran, die Schule ( für die insgesamt 20 Arbeitsstunden berechnet wurden ) alleine auf das gründlichste zu reinigen so gut es eben eine einzelne Reinigungskraft kann und habe die Stunden auch gut ausgenutzt.
    Als alles fertig war habe ich meinen Chef kontaktiert und dieser hat zur Kontrolle eine Frau geschickt, der ich offenbar schon lange ein Dorn im Auge war. Für mich war es erstaunlich ( da ich sie nicht kannte ), dass sie wusste, dass mein Mann ein pensionierter Arzt für Allgemienmedizin ist und es scheinbar nur schwer ertragen kann, dass ich in deren Augen einen anderen sozialen Status habe als sie selbst ( ganz nach dem Spruch: wofür braucht die einen Job, wenn die einen Arzt zum Mann hat ? ). Kurz und „gut“ kam schon nach einiger Zeit ein Anruf von meinem Chef, ich solle doch einmal in die Schule kommen. Er sprach am Telefon davon, dass meine Kollegin behauptet habe, ich hätte in der Schule gar nichts gemacht, überall würden noch Krümel und Dreck liegen, die Tische wären nicht ordnungsgemäß gereinigt ect.
    Als ich daraufhin zu ihr gefahren bin, musste ich feststellen, dass überall, wo ich sauber gemacht hatte nachträglich Dreck verteilt wurde. Für mich war daraufhin klar, dass diese Frau offensichtlich ein Problem mit mir hat..Mein Problem war damals auch, dass ich keine Beweise hatte und das jene unverschämte Person gut mit der Dienstleiterin befreundet ist. So hatte sie schon damals EInfluss auf den Chef und es gelang ihr, ihn für ihre Zwecke zu nutzen.
    Als sie jedoch bemerkte, dass ich nicht daran dachte, meine Stelle zu kündigen und ihr Einfluss auf mich selbst minimal bis nicht vorhanden war, begann sie, mich bei Kollegen schlecht zu machen. Was sie nicht wusste, ist die Tatsache, dass es einige darunter gab und immer noch gibt, die sie aufgrund ihres Wesens nicht leiden können und so kam mir ihr Rufmord auch zu Ohren. Lange Zeit habe ich es hingenommen und nicht hingehört, bis ich eiunes Tages den Chef darauf angesprochen habe. Leider war dieser nicht objektiv, sondernbölieb weiterhin auf der Seite seiner Angestellten.
    Also habe ich nun meinerseits versucht, alles nur mögliche zu ersuchen, dass ich nicht noch einmal mit dieser Frau zusammen arbeiten muss. Das heißt, ich habe absichtlich wichtige Termine mit Behörden, Arztbesuche u. ä. auf genau die Tage gelegt, in der ich mit meiner Problem – Kollegin hätte arbeiten müssen. So ging es eine ganze Zeit gut weiter. Mittlerweile hatte ich auch aus meinen Fehlern gelernt und mir ( nicht zuletzt auf Anraten der Schwester meines
    Chefs ) ein Fotohandy zugelegt, welches gestochen scharfe Fotos machen kann. Ein weiterer Großputz mit einer sehr netten Kollegin ging ohne Probleme und nachfolgende Beschwerden zu Ende und auch mein Chef hat nichts gesagt. bis sich bereits genannte Vorarbeiterin einmischte, sie wolle, dass ich wieder mit ihrer Freundin zusammen arbeite. Ich dachte, mir schlägt jemand einen Holzbalken auf den Kopf, als er mir dies telefonisch mitteilte, aber diesmal würde sie mich nicht mehr reinlegen. Nun fand gestern nach langer Zeit wieder eine Zusammenarbeit mit ihr statt und als ich hinkam, war der Empfang ihrerseits ziemlich eisig und frostig, aber sie ging in ihren Arbeitsbereich und hat mich in Ruhe meine Arbeit machen lassen. Später, als sie sah, dass ich von allen Bereichen, die ich reinigen sollte mit dem Handy Vorher/ Nachher Fotos mache hat sie ziemlich sauer ausgesehen, als ob sie wieder vorgehabt hätte, mir zu schaden. Wenn ich mir rückblickend die ganze Geschichte bis heute betrachte und über das nachdenke, was mir ehemalige Kolleginnen über die Gebäudereinigungsfirma XXX sowie über das Verhalten des Chefs erzählt haben ( u. a. soll er meiner Ex – Kollegin, welche aus gesundheitlichen Gründen gekündigt hatte 12 Monate und anderen wiederum 6 Monate immer nur die Hälfte des Gesamtgehaltes gezahlt haben ) komme ich mir vor wie im Kindergarten.

    Mit freundlichen Grüßen

    Annalena

  2. Romy Schlesier

    Hallo Annalena,

    vielen Dank für Ihre offenen Worte.

    Wie ich heraus lesen konnte, haben Sie nicht versucht, das Gespräch mit der betreffenden Mitarbeiterin zu suchen? Vielleicht haben Sie darin auch einfach keinen Sinn mehr gesehen. Allgemein haben Sie das Beste versucht, vor allem stark zu bleiben. Dafür Hochachtung. Doch gibt es natürlich immer Situationen im Leben, in denen man schauen muss, seine Konsequenzen daraus zu ziehen. Und das es leider Unternehmen gibt, in denen mit unlauteren Mitteln gearbeitet wird, dies können wir nicht beeinflussen. Aber man kann sich wehren. Rechtlich stehen ihrer Freundin jegliche Mittel zur Verfügung, auch wenn kein Vermögen dafür da ist. Aber auch online gibt es mittlerweile zahlreiche Portale in denen Arbeitgeber bewertet werden können. Wenn soziale Mittel, das Reden und eine Einigung nicht mehr funktionieren, sollte man aber schlussendlich einen Schlussstrich für sich ziehen, ehe es einen gesundheitlich belastet. Darauf sollte schlussendlich ihr Fokus liegen. Achten Sie auf sich. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Kraft.

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