Mausarm (RSI) – Wenn die Büroarbeit zur Qual wird

Ein Mausarm, von Medizinern auch als RSI-Syndrom bezeichnet, ist eine unangenehme Begleiterscheinung der stetig zunehmenden Bildschirmarbeit.

Das noch relativ neue und noch nicht so gut erforschte Krankheitsbild kennzeichnet eine Reihe von Beschwerden und Missempfindungen, die sich von der Hand über den Arm bis in den Schulter-Nacken-Bereich erstrecken können. RSI bedeutet Repetitive Strain Injury und steht für eine Verletzung aufgrund wiederkehrender Überlastung.


Das sind die Fakten:

Ein Mausarm kann in jedem Alter auftreten, meistens bei Menschen, die mehr als 3 Stunden am Tag am Computer arbeiten. Deshalb wird er scherzhaft auch als „Sekretärinnen-Krankheit“ bezeichnet.

Es liegen keine genauen Zahlen vor, wie viele Menschen betroffen sind, aber Ärzte vermuten, dass das Beschwerdebild weit verbreitet ist, weil durch die Einführung der digitalen Geräte die einseitige Belastung für die Hände immer mehr zunimmt.

Durch das tägliche Tippen und Scrollen auf Tastatur und Maus werden Gelenke, Muskeln, Sehnen und Nerven überreizt. In den USA ist das RSI-Syndrom bereits als Berufskrankheit anerkannt.


Symptome des RSI-Syndroms

 RSI - Der MausarmEin Mausarm zeigt sich entgegen dem Namen nicht nur durch Beschwerden am Arm, sondern betrifft auch Hände, Schultern und Nacken. Zu Beginn kommt es meistens zu ersten Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühlen im Arm oder der Hand. Die Muskelkraft lässt nach.

Bei manchen Menschen treten diese Beschwerden am Anfang nur nach längerer Beanspruchung auf und verschwinden wieder, wenn die Belastung nachlässt. Wenn sie anhält, können Hand, Finger und Arm einschlafen und Koordinationsprobleme auftreten. Darüber hinaus kann es zu Versteifungen im Bereich der Hand- und Ellenbogengelenke und im Schulter-Nacken-Bereich kommen.

Morgens können Muskeln, Gelenke und Sehnen schmerzen und die Hand kann sich taub und kalt anfühlen. Bei regelmäßiger Überlastung treten die Beschwerden immer wieder an den gleichen Stellen auf und es reicht schon eine geringe Überlastung, um Symptome auszulösen. Später klingen die Beschwerden teilweise auch im Ruhezustand und bei Schonung nicht mehr ab.


Ursachen und Risiken

Die Hauptursache liegt in einer anhaltenden Überbeanspruchung des betroffenen Armes. Besonders erwischt es Menschen, die täglich viele Stunden am Tag am Computer arbeiten. Besonders das Tippen auf der Tastatur und die das Scrollen und Klicken mit der Maus ist für die Beschwerden verantwortlich. Hinzu können noch individuelle Faktoren wie ein hohes Arbeitspensum und den daraus resultierenden Dauerstress kommen, sowie körperliche Fehlhaltungen am Schreibtisch vor dem Bildschirm.

Ärzte sehen dabei eine wichtige Ursache in der Missachtung von Körpersignalen, die normalerweise ein Schutz vor Überlastungen sind. Wenn Beschwerden aber verdrängt oder gezielt unterdrückt werden, kommt es zu einer Überlastung der Arme mit chronischen Reizzuständen. Jahrelange monotone Arbeit am Bildschirm kann zu winzigen, schmerzhaften Verletzungen an Sehnen und Muskeln führen. Die ist vergleichbar mit anderen einseitigen Überlastungen wie dem Tennisarm, einer Sehnenscheidenentzündung oder dem Golferellenbogen.

Wer trotz wiederholt auftretender Schmerzen die Ursachen nicht abstellt, riskiert einen chronischen Verlauf. Hinzu kommt, dass das Gehirn sogenannte Schmerzreize mit bestimmten Bewegungsabläufen assoziiert, und dann freigibt, wenn ähnlich belastende Tätigkeiten ausgeübt werden, obwohl diese nicht der täglichen Arbeit entspricht.

 


Tipps zur Mausarm-Prävention

Um dem vorzubeugen, gibt unterschiedliche Präventionen wie regelmäßige Dehnübungen, die die Muskulatur entspannen und auflockern. Besonders bewährt haben sich diese Übungen:

  • Mehrmals hintereinander abwechselnd eine Faust ballen und anschließend die Finger abspreizen.
  • Arme lang nach vorn ausstrecken und die Finger herunterklappen.
  • Die Handflächen mehrmals hintereinander fest zusammendrücken und wieder lockern.

Um einer Überlastung durch einseitige Bewegungsabläufe zu verhindern ist es sinnvoll regelmäßige Erholungspausen einzuführen. Im Büro kann es eine gute Maßnahme sein, Arbeitsgeräte oder -materialien so zu platzieren, dass zwischendurch vom Schreibtisch aufstanden werden muss. Wer nicht mit zehn Fingern tippen braucht, kann zwischendurch die andere Hand verwenden.

Büro-Pause
Regelmäßige Pausen sind wichtig!
Foto: karandaev / fotolia.com

Der Arbeitsplatz sollte ergonomischen Anforderungen genügen, um Gelenke und Muskeln zu schonen. Hilfreich können Handballen- oder Unterarmauflagen sein und der Monitor sollte so ausgerichtet sein, dass Nackenverspannungen vermieden werden. Ein höhenverstellbarer Schreibtisch kann wirksam Fehlhaltungen vorbeugen.

Entspannungsübungen sind zudem nicht nur für den Körper, sondern auch für den Geist wichtig. So lassen sich die schon erwähnten Schmerzreize verhindern, welche im Gehirn abgespeichert werden. Zusätzliche Dehnübungen beugen chronischen Entwicklungen vor, welche schnell bei wiederkehrenden Abläufen entstehen können.

 

Das viele Tippen lässt die Hände oft erkalten, was die Schmerzen am Mausarm zusätzlich verschlimmern kann. Hierfür erweisen sich Taschenwärmer oder Fingerwärmer als besonders effektiv. Attraktiver sind die Pulswärmer, die den gleichen Effekt erzielen: das Warmhalten der Gelenke. Aber auch eine Pause durch das Wärmen der Hände an einer warmen Tasse Tee oder Kaffee kann schon helfen.

Zudem bietet Sport, als wichtigste Prävention, einen idealen Ausgleich für den Körper und um den Kopf frei zu bekommen. Besonders effektiv sind dabei Tätigkeiten, die den gesamten Körper gleichmäßig beanspruchen, wie Joggen, Nordic Walking oder Rudern. Ungünstiger hingegen sind Sportarten, welche eine einseitige Belastungen erfordern, wie Golf oder Tennis.


Diagnose und Behandlung

Wer regelmäßig nach der Computerarbeit Probleme mit Schmerzen im Arm hat, sollte seinen Hausarzt oder einen Orthopäden aufsuchen, um die Ursache abklären zu lassen. Die Diagnose wird in der Regel hauptsächlich anhand einer Anamnese gestellt. Der Arzt befragt den Patienten wann, unter welchen Bedingungen und wie oft die Schmerzen auftreten und wie lange sie schon andauern.

Wichtig ist dabei auch die Tätigkeit des Patienten und wie lange er dieser am Tag nachgeht. Er fragt auch nach Beschwerden in anderen Körperregionen. Nach der Anamnese folgt die körperliche Untersuchung, bei der der Arzt testet, ob sich die Schmerzen durch Druck verschlimmern. Auch die Muskulatur und die Gelenke werden untersucht.

Darüber hinaus können Funktionstests, wie eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, Hinweise auf einen Mausarm geben. Andere bildgebende Methoden sind für die Diagnose aber weniger sinnvoll, da bei einem Mausarm keine körperlichen Veränderungen sichtbar sind.

Diese Verfahren werden nur durchgeführt, wenn in der Vergangenheit im schmerzhaften Bereich Verletzungen erlitten wurden. Eine nicht richtig ausgeheilte Wunde könnte dann die Ursache für die momentanen Beschwerden sein.

Für die Behandlung eines Mausarms gibt es verschiedene Möglichkeiten, je nachdem wie intensiv die Schmerzen sind und wie lange sie schon andauern. Die Basis der Therapie bildet die Veränderung der Arbeitsbedingungen, kombiniert mit Physiotherapie und bei Bedarf Verordnung von Medikamenten zur Schmerzlinderung.

Richtig sitzen
Ein richtig eingestellter Arbeitsplatz hilft dabei Fehlhaltungen zu vermeiden.

Daneben ist es wichtig, den Arbeitsplatz so zu gestalten, dass dauerhafte Fehlhaltungen vermieden werden. Dazu gehört zum Einem die optimale Ausrichtung des Monitor, sowie eine ergonomische Sitzhaltung. Um Beschwerden zu verringern, können spezielle Tastaturen, Handballen- und Unterarmauflagen hilfreich sein. Dafür gibt zum Beispiel auch Mauspads mit Geleinlagen.

Bei einem Arbeitsplatz, der so eingerichtet ist, dass unterschiedliche Bewegungsabläufe notwendig sind, besteht weniger die Gefahr eines RSI-Syndroms. Regelmäßige Dehn- und Entspannungsübungen schützen vor Überlastung. Im Zweifelsfall ist es günstiger, Kollegen persönlich im Büro aufzusuchen, statt eine Mail zu schicken oder zum Telefon zu greifen.

Weniger hilfreich ist die Ruhigstellung des Armes. Auch chirurgische Eingriffe bringen meist nur kurzfristig Erleichterung, weil sie die Ursache, die einseitigen Fehlhaltungen, nicht abstellen und gerade deshalb eher einer chronischen Entwicklung Vorschub leisten.


Krankheitsverlauf

Der Krankheitsverlauf beim Mausarm ist in erster Linie abhängig vom Verhalten des Patienten. Wer die Beschwerden beim Mausarm schon gleich am Anfang ernst nimmt und versucht die Ursache abzustellen, kann den Verlauf günstig beeinflussen und eine chronische Entwicklung vermeiden.

Oft suchen Betroffene aber erst einen Arzt auf, wenn ihre Leiden die Arbeit beeinträchtigen. Ein wichtiger Schritt ist die Veränderung der Arbeitsbedingungen, um Fehlhaltungen zu vermeiden. Außerdem ist darauf zu achten, auch nach Besserung der Beschwerden, nicht in alte sich immer wiederholende Muster zurückzufallen. Denn chronologische Verläufe entwickeln sich erst nach einer andauernden Regelmäßigkeit im Arbeitsalltag.

In Deutschland gehört das RSI-Syndrom nicht zwingend zu den Berufskrankheiten, wie es in den USA der Fall ist. Für eine Anerkennung als Berufskrankheit ist eine detaillierte Dokumentation des Krankheitsverlaufs erforderlich. Auch dann ist es noch schwierig, weil sich subjektiv empfundene Schmerzen nicht immer eindeutig Krankheitsbefunden zuordnen lassen.


Fazit

Ein Mausarm gehört zu den Krankheitsbildern, auf die Betroffene einen großen Einfluss haben. Da er durch Fehlhaltungen und einseitige Überlastung ausgelöst wird, ist es nach der Diagnose wichtig, künftig Verhaltensmuster zu ändern und Bewegungen zu variieren.

Auf diese Weise bessern sich die Beschwerden schnell und lassen sich dauerhaft vermeiden. Wer die vorbeugenden Maßnahmen beherzigt und sich regelmäßig sportlich betätigt, ausreichende Pausen einlegt und für Entspannung sorgt, betreibt eine gute Gesundheitsvorsorge und kann auf diese Weise auch den Stress abbauen.

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