Keimfallen im Büro – hier kann man sich anstecken

Überall dort, wo Menschen arbeiten und Dinge berühren, finden sich Keime. Auch der Alltag im Büro ist von Handgriffen geprägt, die so selbstverständlich sind, dass sich kaum noch Gedanken über das Reinigen einiger Flächen gemacht wird. Aber schon ein erkälteter Mitarbeiter reicht aus, um das gesamte Büro zu kontaminieren. Schließlich lieben Bakterien ja nicht nur Türklinken und Hände, sondern finden sich auch in Schwämmen, Kaffeevollautomaten und Lüftungen. Und auch Viren in der Luft und in Tröpfchen sind ein ständiges Ärgernis.

Wo überall Keime lauern und wie man sich und andere vor Ansteckungen schützt, soll im Folgenden erläutert werden. Dabei beschränken sich Maßnahmen, die der Hygiene dienlich sind, nicht nur auf das regelmäßige Händewaschen.

Die Menge macht es

 je größer das Büro ist und desto höher die Anzahl der Mitarbeiter, desto eher kann man mit krankheitsbedingten Fehltagen rechnen. / Foto: Björn Wylezich / fotolia.com
je größer das Büro ist und desto höher die Anzahl der Mitarbeiter, desto eher kann man mit krankheitsbedingten Fehltagen rechnen. / Foto: Björn Wylezich / fotolia.com

Bezüglich der Möglichkeiten, sich Keime im Büro einzufangen gilt die Faustregel: je größer das Büro ist und desto höher die Anzahl der Mitarbeiter, desto eher kann man mit krankheitsbedingten Fehltagen rechnen.

Bei einer Befragung von mehr als 1000 Büromitarbeitern hatte sich herausgestellt, dass nur jeder zweite, der im Einzelbüro arbeitet, binnen eines Jahres krank war. In Zweierbüros kam noch gut ein Drittel ohne Krankheit aus und in einem Büro mit 16 Leuten schafften es nur dreißig Prozent ohne Krankheiten über das Jahr.

Zusätzlich zur Keimbelastung steigen übrigens auch die Risiken für übermäßigen Stress und Hautbelastungen durch schlechte Luft mit der Größe der Büros an.

Desto mehr Mensch sich dabei gemeinschaftliche genutzte Dinge (Kaffeemaschinen, Toiletten, Kopierer usw.) teilen, desto mehr steigt die Keimbelastung im Raum an. Die meist schlechter gelüfteten großen Räume tun dann ihr Übriges, um neben den Keimen auf Oberflächen auch den Viren in der Luft die besten Verbreitungsmöglichkeiten zu bieten.

Wo sich Keime auf gemeinschaftlich genutzten Flächen ansiedeln und wie man sie beseitigt

Keime siedeln sich schnell an und müssen beseitigt werden / Foto: Dmytro Flisak / fotolia.com

Dass Toilettenbrillen gar nicht so unhygienisch sind wie ihr Ruf, ist mittlerweile weitestgehend bekannt. Dennoch hält sich das Bedürfnis, von ihnen zu essen, in Grenzen.
Wer sich allerdings vor und nach dem Toilettengang die Hände wäscht, läuft kaum Gefahr, sich mit Keimen zu infizieren. Die immer weiter verbreiten Desinfektionssysteme für gemeinschaftlich genutzte Toiletten helfen ebenfalls.

Weit belasteter sind beispielsweise Festnetztelefone, weil die wenigsten Menschen auf die Idee kommen, einen Telefonhörer zu reinigen. Allerdings setzen sich hier durch Speicheltropfen, die sich gut im Sprecher verfangen, Bakterien fest – 25 mal so viele wie auf einer Toilette können es pro Quadratzentimeter werden.
Auch auf Wählscheiben und Tasten finden sich einige Keime. Man kann ein Telefon aber ganz einfach mit ein wenig Desinfektionsspray behandeln.

Auch Kaffeetassen sind gute Petrischalen. In Kaffeeresten und im Speichel fühlen sich Keime wohl. Die Tassen also direkt nach Benutzung mindestens auszuspülen – ab besten aber zu waschen – beugt der Verbreitung vor.

Neben Türklinken sind auch Fahrstuhlknöpfe, Kopiererknöpfe und generell alle Knöpfe, die häufig berührt werden, wahre Keimherde. Man kann sich nach der Anwendung die Hände waschen – oder einfach ab und an vorsichtig reinigen. Fragenden Blicken von Kollegen kann man die Hygienelage erläutern.

Besonderes Augenmerk sollte auch auf Kaffeevollautomaten gelegt werden, denn in ihnen finden Bakterien und Pilze viel Nahrung. Warme Dämpfe und Reste sind der optimale Nährboden für Krankheitserreger. Bei intensiver Nutzung reicht das gelegentliche Reinigen nach Anzeige nicht. Vor allem der Milchbehälter und das Wassertank sollten deshalb täglich gereinigt werden.

Der Schreibtisch und das Essen an ihm

Am Schreibtisch sollte auf keinen Fall gegessen werden, wenn es sich vermeiden lässt. / Foto: fotofabrika / fotolia.com
Am Schreibtisch sollte auf keinen Fall gegessen werden, wenn es sich vermeiden lässt. / Foto: fotofabrika / fotolia.com

Das Schöne an einem gut eingerichteten Schreibtisch ist, dass hier alles zusammenkommt: Computer, Telefon, Tastatur, Maus und natürlich auch gelegentlich Kollegen zwecks Plausch oder Arbeit.
Aber entsprechend zeigen Messungen auch: Gerade Tastaturen sind die belastetsten Objekte im Büro und dahinter folgt auch schon die Maus. Beiden Objekten kann man mit speziellen Reinigungsmitteln wieder hygienischen Anstand verpassen. Vor der Arbeit oder nach Arbeit kurz beides zu reinigen, reduziert das Keimaufkommen enorm.

Aber auch der Schreibtisch selbst ist häufig verkeimt. Durch das Abladen von Dokumenten aus allen Ecken des Büros und aus mehreren Händen, fallen Keime regelrecht über die Fläche her. Jeder Plausch am Tisch sorgt für ein paar kleine Speicheltropfen mehr. Und dadurch, dass der Büromitarbeiter selbst ständig seine Hände auf den Flächen hat, kommen noch Keime aus dem eigenen Alltag hinzu. Durch Staub und Haare und Haare in Ritzen sowie Lebensmittelpartikel, werden diese gut genährt.

Entsprechend sollte am Schreibtisch auf keinen Fall gegessen werden, wenn es sich vermeiden lässt. Nicht nur, dass man riskiert, sich die Bakterien direkt einzuverleiben. Man füttert die bestehenden Keimkulturen auch gleich mit.

Generelle vorbeugende Maßnahmen im Büro

Häufig genutzte Flächen einfach mal selbstständig zu reinigen, hilft schon enorm. Auch das regelmäßige und gründliche Händewaschen sollte erfolgen. Zusätzlich ist es wichtig, dass die eigenen Hände möglichst wenig an Mund und Nase gelangen. Da die meisten Keime derart sind, dass sie Tröpfcheninfektionen darstellen, geht von ihnen keine Gefahr aus, solange sie einfach nur irgendwo haften. Erst in Schleimhäuten angekommen, infizieren sie einen Menschen.

Viren hingegen können auch über die Luft übertragen werden. Gerade dann, wenn jemand erkältet ist, ist das regelmäßige Lüften angebracht. Dabei muss umso gründlicher gelüftet werden, umso größer ein Raum ist. Das Fenster dreimal oder öfter am Tag für einige Minuten offen stehen zu lassen, hilft bereits. Dies sollte auch an kalten Tagen erfolgen.
Dabei ist gerade im Winter so wichtig, weil die trockene Heizungsluft die Schleimhäute austrocknet und so Viren und Bakterien Tür und Tor öffnet.

Falls das Büro klimatisiert ist, sollte ein Sitzen am Lüftungsschacht oder Klimaanlagenschacht direkt vermieden werden. Nicht nur ist der eventuell entstehende Luftzug schlecht, sondern auch Bakterien und Viren werden durch die Luftströme immer aus oder in Schächte transportiert. Liegt der eigene Schreibtisch also direkt an einer solchen Öffnung, sollte ein Umzug um einige Zentimeter unternommen werden.

Es ist übrigens für niemanden notwendig, auf das Händeschütteln zu verzichten. Wenn Grund zur Annahme besteht, dass das Gegenüber eventuell Keime an der Hand hat – alle Menschen haben Keime an ihren Händen – reicht es völlig, sich die Hände ein paar Minuten darauf zu waschen. Wer viele Hände schüttelt, sollte aber besonders darauf achten, dass die Hände dem Gesicht fernbleiben.

Mit der Erkältung zur Arbeit?

 

Wenn es um einen herum niest und schnupft, dann fühlt man sich nicht wohl. Keime an Kollegen abzugeben, ist nicht nur unhöflich, sondern schadet durch den wahrscheinlichen Wegfall anderer Kollegen durch dieselbe Krankheit auch der Firma.

Tatsächlich ist es aber kein Problem, mit sehr milden Symptomen bei der Arbeit zu erscheinen.

Wenn eine Erkältung sich verstärkt hat und die Schleimproduktion sowie der Husten enorm zugenommen haben, sollte der Tag zuhause verbracht werden. / Foto: drubig-photo / fotolia.com
Wenn eine Erkältung sich verstärkt hat und die Schleimproduktion sowie der Husten enorm zugenommen haben, sollte der Tag zuhause verbracht werden. / Foto: drubig-photo / fotolia.com

Gelegentliches Husten von anderen Menschen weg und ein gutes Abstandhalten genügen zumeist. Auf Körperkontakt sollte verzichtet werden und genießt wird ins Taschentuch, das am besten sofort entsorgt wird. Ergänzt wird dieses Programm durch regelmäßiges Händewaschen.

Wenn die Erkältung sich aber verstärkt hat und die Schleimproduktion sowie der Husten enorm zugenommen haben, sollte der Tag zuhause verbracht werden. Dies ist besser für den Betroffenen und alle seine Kollegen. Auch bei Fieber ist Bettruhe medizinisch gesehen sinnvoll.

Wer dennoch mit leichten Symptomen ins Büro fährt, der sollte andere vor einer Infektion schützen. Direktes Berühren von gemeinschaftlich genutzten Flächen sollte nicht erfolgen und auch im Küchenbereich sollte man sich nur noch begrenzt aufhalten. Genießt und gehustet wird am besten in einen Ärmel oder in ein Taschentuch und das gemeinschaftliche Nutzen eines Aufzugs ist ebenfalls bei schlimmen Symptomen zu vermeiden.

Am besten ist es aber, Kollegen und Chef über das Wegbleiben von der Arbeit zu informieren. Die meisten Erkältungen sind nach drei Tagen überstanden. Bei weiterer Belastung des Körpers riskiert man schließlich, dass die Infektion sich manifestiert. Dies ist auf Dauer weit schlimmer als ein paar gefehlte Tage.

Fazit

Dass sich im Büro überall Keime finden, verwundert nicht. An allen Orten, an denen viele Menschen zusammentreffen und mit Dingen und Lebensmitteln hantieren, ist dies normal. Jedoch ist ein Bewusstsein für Hygiene in Büros weit weniger verbreitet als beispielsweise in Schlachtereien.

Dabei können schon wenige Maßnahmen die Keimzahl auf häufig genutzten Objekten enorm reduzieren. Auf eigene Faust ein wenig zu desinfizieren, kann also eine sinnvolle Maßnahme darstellen. Dabei schützt man sich und andere. Wer dazu noch regelmäßig – also vor dem Essen, nach Toilettengängen und wenige Male am Tag – seine Hände wäscht, ist auf der sicheren Seite.

Krank im Büro zu erscheinen, ist meistens eine schlechte Idee. Zum einen gibt man dem eigenen Körper nicht die Ruhe, die er braucht. Und zum anderen steckt man eventuell andere mit an.

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