Ischias – Was tun, um die Schmerzen zu besiegen?

„Ischias“ wird ein Schmerz genannt, welcher direkt vom sogenannten Ischias-Nerv entsendet wird, beginnend bei der Hüfte, bis hin zum Oberschenkel und zu den Kniebeugen. Ursachen für die Lähmung des Ischiasnerves können Bandscheibenvorfälle, Becken- oder Oberschenkelfrakturen sowie Vorwölbungen der Bandscheibe sein, bei dem eben diese in der Lendenwirbelsäule nach vorn rutscht und gegen den Ischiasnerv drückt. Die Folgen sind heftige Schmerzen und oft auch Taubheitsgefühle im Bein.

Medizinisch wird von Ischialgie gesprochen und eine Gruppe von Beschwerden bezeichnet, bei denen eine Reizung (Irritation) des Ischiasnervs auftritt. Dies geschieht in der Regel dort, wo er den Wirbelkanal und das Rückenmark verlässt. Umgangssprachlich wird der Ischiasschmerz mit dem Begriff Ischias gleichgesetzt.


Nervus ischiadicus – der dickste Nerv im menschlichen Körper

RueckenschmerzenDer Ischiasnerv wird aus der vierten und fünften Nervenwurzel der Lendenwirbelsäule sowie der ersten und zweiten Nervenwurzel des Kreuzbeins gebildet. Er erstreckt sich über die Rückseite des Oberschenkels und verzweigt sich in der Kniegegend in zwei Unterschenkelverästelungen, den Peronäusnerv und den Tibialisnerv.

Der Ischias ist der dickste Nerv im menschlichen Körper. Er steuert die Bewegungen der Beinmuskeln und übermittelt sensorische Botschaften aus den unteren Extremitäten in das zentrale Nervensystem. Die im Ischias zusammenlaufenden Nervenfasern kommen aus speziellen Öffnungen in den Wirbelkörpern und verflechten sich zum sogenannten Plexus. Werden diese Muskelfasern nun mit Druck konfrontiert oder entzünden sich, meldet sich der typische Ischiasschmerz, der in ein Bein ausstrahlt und bis in den Fuß reichen kann.

Der Radikuläre Schmerz, heißt aus der Nervenwurzel verursacht, kann als Folge eines Bandscheibenvorfalls auch in den Halswirbeln auftreten. Dabei versteift sich in der Regel der Hals und es melden sich einseitige Schmerzen im Arm.

Ein weiterer Grund für das häufige Auftreten der Ischias-Erkrankung liegt auch darin begründet, dass die Bandscheiben mit Hilfe von 24 Wirbelkörpern unsere Wirbelsäule trägt. Somit halten diese mit das ganze Gerüst des menschlichen Skeletts zusammen. Sobald hier eben ein Schmerz auftritt, gelangt dieser auch ohne Umwege durch ein Gewirr von Nervensträngen über das Rückenmark direkt ins Gehirn.

Insgesamt werden in Deutschland pro Jahr geschätzt etwa 120.000 Menschen von der Erkrankung geplagt.


Ischias-Schmerzen vorbeugen

Die beste Vorbeugung gegen Rückenbeschwerden im Allgemeinen und Ischias im Besonderen sind regelmäßige sportliche Betätigung wie Joggen, Gymnastik und Dehnübungen. Gerade für Menschen in einer monoton sitzenden oder stehenden Tätigkeit ist ein körperlicher Ausgleich zur Stärkung der Rückenmuskulatur und Beweglichkeit notwendig.


Massagen und Haltungsschulung schaffen Abhilfe

Im Stehen arbeitenUm die häufig zu Grunde liegenden Muskelverspannungen zu reduzieren, können Massagen und Wärmebehandlungen (Rotlicht) sowie Umschläge und Packungen angewendet werden. Diese Methoden werden jedoch nur empfohlen, wenn die Beschwerden nicht durch Entzündungen herbeigeführt worden sind.

Mit der Haltungsschulung sollen nach Möglichkeit die verlorene Mobilität wiedererlangt und eine rückenfreundliche Bewegung erlernt werden. Außerdem geht es um die Stärkung der Rumpfmuskulatur, damit die Wirbelsäule stabiler und die Bandscheibe entlastet wird.


Fehlhaltungen bei der Arbeit vermeiden

Dynamisch SitzenBesonders sitzende Tätigkeiten können sich schnell auf die Rückengesundheit auswirken. Fehlhaltungen, die sich über Jahre bei der Büroarbeit entwickeln, können der Auslöser für eine Ischalgie sein. Daher ist bei einer monotonen Tätigkeit, die länger als 4 Stunden täglich ausgeübt wird, eine ergonomische Austattung nützlich. Ergonomische Bürostühle und elektrisch höhenverstellbare Schreibtische bieten dem Anwender über den Tag gesehen mehr Bewegung, was den Rücken entlastet.


Stufenlagerung – auch schnell im Büro zu erledigen

Bewährt zur schnellen Linderung der Ischias-Beschwerden hat sich die sogenannte Stufenlagerung. Dabei werden, mit dem Rücken flach auf dem Boden liegend, die Beine im Winkel von maximal 90 Grad gehalten. Unter das Becken kann eine Wärmflasche oder ein aufgeheiztes Handtuch gelegt werden. In dieser Position wird tief ein- und ausgeatmet.

Die Übung wird sooft wiederholt, wie sie nicht anstrengend ist. Nach zwei Tagen sollte eine spürbare Besserung eintreten.

Wenn nicht, hilft der Gang zum Orthopäden. Der Arzt kann mit einfachen Mitteln herausfinden, wie dem andauernden Ischiasschmerze am besten beizukommen ist. Er tastet die Schmerzbahnen ab und lokalisiert somit deren Ursprungsort.


Ischias-Behandlung

BandscheibenEine Operation ist nur in relativ wenigen Fällen notwendig. Diese Entscheidung steht nur dann im Raum, wenn nicht nachlassende Lähmungen in Arm oder Bein zu verzeichnen sind. Der Chirurg beseitigt in diesem Fall den Bandscheibendefekt, insofern er auf einen eingeklemmten Nerv zurückzuführen ist.

Hauptsächlich wird heutzutage aber eine Therapie gegen Ischias angewendet, die Schmerzmittel, Physiotherapie, Haltungsschulung und eventuell Muskeltraining (Rücken und Bauch) miteinander kombiniert. In nicht wenigen Fällen lassen sich bereits mit speziellen Medikamenten die Schmerzen lindern. Dies sind meist Mittel, die entzündungshemmend wirken. Sind die Schmerzen zu stark, werden auch Antirheumatika eingesetzt. Schon mit einem Hausmittel, wie der Teufelskralle, lassen sich in leichten Fällen deutliche Besserungen erreichen.

Rückenschmerzen kommen, aber gehen nicht gleich wieder weg

frau hat rückenschmerzen von falscher haltung
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Wenn sich der Ischiasschmerz bei Husten, Niesen, dem Stuhlgang oder schnelleren Körperbewegungen verstärkt, liegt die Ursache höchstwahrscheinlich bei einem Bandscheibenvorfall.

Diagnostiziert der Arzt eine Entzündung als Ursache, steigern sich die Schmerzen oftmals in der Nacht. Der Ursprung einer Infektion kann hier durch die Borrelien (Lyme-Borreliose) oder Herpes-Viren (Gürtelrose) liegen. Ebenso kommen die Degeneration der Wirbelgelenke (Spondylarthrose), eine Eiteransammlung (Abszess) oder gar eine Geschwulst (Tumor) als Auslöser der Ischialogie in From einer Entzündung in Frage.

Hier muss der Arzt mittels bildgebender Verfahren wie MRT oder CT (Magnetresonanz- bzw. Computertomografie) diagnostische Klarheit gewinnen. Nicht zuletzt kann die Ischialogie auch psychische Hintergründe haben. Depressive Zustände, Stress oder Vereinsamung rufen oft Rückenschmerzen hervor oder verschlimmern sie. Die Schmerzen können in solchen Fälle schnell chronisch werden. Später bildet sich möglicherweise sogar ein sogenanntes Schmerzgedächtnis heraus. Dies bedeutet, dass das Zentralnervensystem aus seiner „Erinnerung“ heraus Schmerzen meldet, für die keine reelle Ursache (mehr) besteht.


Medikamentöse Schmerztherapie in drei Schritten

Die Schmerztherapie bei zuverlässig diagnostizierter Ischialogie ist von der Weltgesundheitsorganisation WHO anerkannt und wird in drei Stufen vollzogen. Zuerst werden nicht-opioide Mittel verabreicht, wie Paracetamol, Ibuprofen oder Diclofenac. Bei Bedarf werden diese Medikamente dann mit einem schwachen Opioid wie etwa Tramadol kombiniert. Die dritte Stufe schließlich sieht den Einsatz von starken Opioiden (Morphin, Fentanyl) vor, die zusätzlich zu den einfachen Mitteln verordnet werden.


Moderne OP-Verfahren verlaufen minimal-invasiv

In der medizinischen Praxis wird eine Beseitigung der Schmerzen in Form der medikamentösen Therapie mit einem Zeitraum von maximal sechs Wochen kalkuliert. Gelingt das nicht zufriedenstellend, muss zur Behandlung des Bandscheibenvorfalls operiert werden. Sonst drohen bleibende Schäden der betroffenen Nervenwurzeln. Gebräuchliche moderne Verfahren sind dabei Laminektomie und Nukleotomie, die beide minimal-invasiv durchgeführt werden.

Über sehr kleine Schnitte bringt der Chirurg dabei optische oder chirurgische Instrumente ein. Sie können bei der Laminektomie einen Teil des betroffenen Wirbelbogens der Bandscheibe entfernen. Mithilfe der Nukleotomie wird dagegen der aus der Bandscheibe ausgebrochene Kern herausgenommen. Beiden Verfahren haben das gemeinsame Ziel, den geschädigten Nervenwurzeln mehr Platz zu verschaffen und den entstandenen Druck im Bereich der Wirbelsäule zu mindern.

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