Großraumbüro die Vor- und Nachteile

Irgendwann wird sich jeder Unternehmer die Frage stellen, ob er ein Großraumbüro einrichten soll oder nicht. Die Frage ist wohl so alt wie die Arbeitswelt selbst – bis heute gibt es aber keine eindeutige Antwort. In der Regel sind Unternehmen für Großraumbüros, da sie einerseits Kosten sparen, andererseits auch ihre Mitarbeiter “kontrollieren” können.

Bei den Angestellten gibt es sehr wohl unterschiedlichere Meinungen: Der Mitarbeiter wird sich dann für das Großraumbüro aussprechen, wenn er gerne im Team arbeitet, kein Problem mit einer ständigen Geräuschkulisse hat und die Hektik, die sehr wohl in einem Großraumbüro zu spüren ist, gar nicht mitbekommt.

Einzelgänger, die in völliger Isolation ihrer Arbeit nachgehen und keine Rücksicht auf Kollegen nehmen wollen, werden sich wohl gegen das Großraumbüro aussprechen. Das ist mitunter auch der Grund, warum Großraumbüros immer wieder angesagt waren und dann wieder verteufelt wurden.

Die ersten Großraumbüros gab es in den 1950er Jahren. Während in den 1960er und 1970er Jahren vorwiegend auf Einzel- und Mehrpersonenbüros gesetzt wurde, feierte das Großraumbüro jedoch wieder ein Comeback in den 1990er Jahren. Doch wie gut oder schlecht sind Großraumbüros tatsächlich? Gibt es mitunter Alternativen oder kommt es am Ende wirklich nur auf den Mitarbeiter an?

Welche Büroarten gibt es?

Einzelbüro
Ein Einzelbüro / Foto: fotofabrika / fotolia.com
Neben dem Großraumbüro gibt es noch weitere Büroarten, die allesamt Vor- und Nachteile haben. Das Einzelbüro ist ein klassisches Ein-Personen-Büro. Diese Büroart garantiert, dass der Mitarbeiter störungsfrei arbeiten kann. Er kann die Beleuchtung, den Sonnenschutz und die Temperatur individuell regeln, hat keine Zuhörer bei privaten oder/und vertraulichen Gesprächen und muss auf keinen Kollegen Rücksicht nehmen. Jedoch eignen sich Einzelbüros keinesfalls für eine Teamarbeit; viele Mitarbeiter haben zudem das Gefühl einer vollkommenen Isolation.

Das Mehrpersonenbüro hat Platz für zwei bis vier Personen und eignet sich dann, wenn mehrere Mitarbeiter ähnliche Aufgaben zu bewältigen haben. Problematisch ist, dass ein nicht zu unterschätzendes Konfliktpotential gegeben ist, da mehrere Personen einen Raum nutzen. Verstehen sich die Mitarbeiter nicht, kann es schnell zu Streitigkeiten kommen.

Das Kombibüro kann gemeinschaftlich genutzt werden, da es offene Zonen bietet. Diese Büroart ist eine Synthese zwischen Kommunikation und konzentrierter Arbeitstätigkeit. Somit sind Einzel- und auch Teamarbeiten möglich; der Mitarbeiter genießt zudem auch noch ein hohes Maß an Privatsphäre. Kombibüros benötigen aber einen hohen Flächenbedarf.

Eine weitere Möglichkeit sind Gruppenbüros. Hier arbeiten 10 bis 20 Mitarbeiter. Derartige Büros sind für größere Teams und Abteilungen geeignet, sofern eine rege Kommunikation notwendig ist. Gruppenbüros werden mit Raumgliederungssystemen (Teilabschirmung der Arbeitsplätze, Wandschränke und dergleichen) strukturiert. Derartige Büros sind flexibel bei der Arbeitsgestaltung; neue Mitarbeiter können problemlos in die vorhandene Struktur eingebunden werden. Zudem sind Gruppenbüros effizient in der Raumnutzung und ermöglichen eine einfache Kommunikation.

Das non-territoriale Büro ist eine weitere Möglichkeit. Die Arbeitsplätze werden nach Voranmeldung oder auch spontan genutzt – der Mitarbeiter verfügt also über keinen festen Arbeitsplatz, sondern kann den Schreibtisch nutzen, der gerade frei ist oder reserviert wurde.

Welche Vorteile hat ein Großraumbüro?

Ein Großraumbüro
Ein Großraumbüro / Foto: Rawpixel.com / fotolia.com
Entscheidet sich das Unternehmen für ein Großraumbüro, kann es am Ende erhebliche Kosten einsparen. Schlussendlich kommt man mit wenig Platz aus und muss weniger Miete bezahlen. Zudem erkennt der Unternehmer relativ schnell, wer im Büro fleißig ist und wer nicht. Unternehmer schätzen vor allem die gebotene Transparenz, sodass sich immer mehr Firmen für derartige Bürolösungen entscheiden.

Großraumbüros können flexibel gestaltet werden. Mobile Gegenstände – so etwa Rollcontainer, Tische, Trennwände oder Stühle – helfen bereits, damit sich der Mitarbeiter in Ruhe gelassen fühlt. Kommen neue Mitarbeiter in das Unternehmen, können diese recht schnell in die Struktur eingegliedert werden. Zudem eignen sich Großraumbüros für Teamarbeiten, da eine unkomplizierte Kommunikation ermöglicht wird. Somit sind informelle Gespräche und ein gegenseitiger Austausch möglich.

Des Weiteren fördern Großraumbüros auch den Gemeinschaftssinn. Unternehmen profitieren zudem von der effizienten Raumnutzung, da sie einen ungewollten Leerstand vermeiden können.

Die Nachteile des Großraumbüros

Lärm im Großraumbüro
Die Lautstärke im Großraumbüro kann sich auf die Arbeitsleitung auswirken / Foto: Photographee.eu / fotolia.com
Großraumbüros haben aber auch Nachteile. Die Mitarbeiter leiden häufiger unter einer geringeren Produktivität, einer geringeren Motivation, haben Konzentrationsschwierigkeiten, es gibt ein höheres Konfliktpotential und zudem eine höhere Ansteckungsgefahr, wenn einer der Mitarbeiter krank ist.

Auch wenn es zahlreiche Vorteile für den Unternehmer gibt, so dürfen die Nachteile keinesfalls ignoriert oder ausgeblendet werden. Das “Stress Research Institute” (Stockholm) kam zu dem Ergebnis, dass Mitarbeiter, die in einem Großraumbüro arbeiten, häufiger krank sind. Die Krankheitsübertragung spielt eine wesentliche Rolle; auch der Stresspegel, der durch Hintergrundgeräusche verursacht wird, darf keinesfalls unterschätzt werden.

Zudem gab es auch andere Studien, die sich mit dem Lärm auseinandersetzten: Der Mensch empfindet einen mittleren Geräuschpegel (55 Dezibel) als unangenehm und gerät in Stress. In weiterer Folge steigt der Adrenalinspiegel, sodass Konflikte vorprogrammiert sind. Es kommt zu Konzentrationsschwierigkeiten, die durch telefonierende Kollegen, Kopiergeräte und Drucker oder andere Maschinen ausgelöst werden.

Problematisch ist natürlich auch der soziale Aspekt: Der Chef sieht, ob gearbeitet wird oder nicht; am Ende wird jedes Telefonat – ob gewollt oder nicht – mitgehört, sodass der Mitarbeiter keine ruhige Minute hat und nicht “abschalten” kann.

Unternehmen müssen auch beachten, dass Großraumbüros verschiedene Anforderungen erfüllen müssen. Bevor ein derartiges Büro in Betrieb genommen werden kann, müssen daher die zahlreichen Auflagen – wie etwa Brandschutzbestimmungen – erfüllt werden.

Für wen eignen sich Großraumbüros?

Großraumbüros eignen sich für Menschen, die gerne im Team arbeiten und kein Problem mit vielen Mitarbeitern haben. Wer sich gerne unterhält, Aufgaben im Team löst und zudem auch kein Problem damit hat, dass ihm bei Telefonaten zugehört wird, hat wohl auch kein Problem mit einem Großraumbüro.
Der Einzelgänger, der nur dann eine 100%-ige Leistung erbringen kann, wenn es ruhig ist, wird sich im Großraumbüro definitiv nicht wohlfühlen. Sind daher Arbeiten zu erledigen, die eine volle Konzentration verlangen, sollte der Schreibtisch keinesfalls in einem Großraumbüro aufgebaut werden.

Das Fazit – tl;dr

Großraumbüros haben Vor- und Nachteile. Während viele Kritiker der Meinung sind, die Unternehmer würden mehr Vorteile genießen, so ist diese Einschätzung nicht zu 100 Prozent richtig. Am Ende kommt es nämlich immer auf den Mitarbeiter an, ob er sich in einem Einzel- oder Großraumbüro wohlfühlt. Teamspieler werden wohl lieber einen Schreibtisch in einem Großraumbüro haben, während der Einzelgänger wohl kein Problem damit hat, wenn er den ganzen Tag – fern von seinen Kollegen – in einem Ein-Personen-Büro sitzt.

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