Die häufigsten Bürokrankheiten

Ein Schnitt mit einem scharfen Blatt Papier in die empfindliche Haut zwischen den Fingern: Wem das schon mal passiert ist, hat eine Vorstellung davon, dass auch Büroangestellte mit gewissen Gefahren in ihrem Alltag konfrontiert sind. Das akute Verletzungsrisiko mag im Büro bei weitem nicht so groß sein wie beispielsweise auf einer Baustelle. Dennoch lauern auch in den Büros der modernen Arbeitswelt ernste Gesundheitsgefahren, die nicht so trivial sind wie der unangenehme Schnitt an einer Papierkante.


Das größte Risiko für die Gesundheit ist die mangelnde Bewegung. Stundenlanges Sitzen am Schreibtisch zwingt zu einer starren Körperhaltung, das Arbeiten mit Tastatur und Maus beansprucht Sehnen und Gelenke sehr einseitig. Zahlreiche Erkrankungen des Bewegungsapparates, Augenleiden sowie Herz- und Kreislauferkrankungen sind die Folge.

Längst hat sich dafür der Begriff »Bürokrankheiten« herausgebildet. Doch es gibt eine gute Nachricht: Wer Bürokrankheiten ernst nimmt, kann mit wenigen Maßnahmen und geringem Aufwand vorsorgen und erhält Gesundheit und Wohlbefinden.


Übersicht – Verluste durch Krankheiten

Entstandener Verlust durch Rückenschmerzen:
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Muskel & Skelett-Erkrankungen:
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Atemwegserkrankungen:
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Psychische Erkrankungen:
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Verletzungen:
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Krankheiten der Verdauung:
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Herz-Kreislauferkrankungen:
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Übrige Krankheiten:
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Skelett, Rücken, Bandscheibe

Rueckenschmerzen

Der Klassiker unter den Bürokrankheiten sind Probleme mit dem Skelett und insbesondere mit dem Rücken. Stundenlanges Sitzen und wenig ausgleichende Bewegung sind die großen Risikofaktoren. Sie führen zu Verspannungen. Die Folge sind Rücken- und Nackenschmerzen. Im Bereich der Bandscheibe kann es zu pathologischen Veränderungen kommen. Dann besteht die Gefahr eines Bandscheibenvorfalls oder eingeklemmter Nerven. So oder so drohen erhebliche Schmerzen und eine längere Krankschreibung. Wer die ersten Symptome ignoriert, kann sich schnell weitere Probleme einhandeln: Tut der Rücken erst mal weh, nehmen viele Betroffene eine Schonhaltung ein, die zu chronischen Leiden führen kann.

Zum Glück sind diese Risiken mit wenigen Maßnahmen beherrschbar. Ein ergonomischer Stuhl und korrekt eingerichtete Büromöbel sind eine solide Grundlage. Optimal ist ein zusätzliches Stehpult oder ein höhenverstellbarer Schreibtisch, an dem Aufgaben statt im Sitzen auch mal im Stehen erledigt werden können. Überhaupt ist zusätzliche Bewegung das A und O: Auch Büroangestellte, die an einem ergonomisch perfekt eingerichteten Schreibtisch arbeiten, sollten spätestens alle 30 Minuten ihre Sitzposition ändern, um Spannungsschmerzen zu vermeiden. Jede Gelegenheit zu Bewegung sollte dankbar aufgegriffen werden. So beugt der Gang ins Nachbarbüro statt der Griff zum Telefon Problemen am Bewegungsapparat wirksam vor. Auch kleine Rückenübungen, die problemlos in den Büroalltag integriert werden können, halten Rücken und Muskulatur fit.


Karpaltunnelsyndrom

RSI - Der Mausarm

Ein Karpaltunnelsyndrom entsteht, wenn Hände und Finger vor allem bei der Arbeit mit der Computermaus ungünstig belastet werden. Der Karpaltunnel verbindet Ober- und Unterarm mit Nerven und Sehnen. Dauerhaft schlechte Belastung kann den Nerv schädigen. Die Folgen sind Taubheitsgefühle und ein Kribbeln an Fingern, Hand und Arm. Treten diese Symptome auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden, der mit Ultraschall und MRT eine Diagnose stellt. Vorbeugend helfen regelmäßige Pausen, entzündungshemmende Salben oder auch warme Bäder mit Meersalz.


Augen

Augen

Die menschlichen Augen sind nicht darauf ausgelegt, täglich mehrere Stunden lang auf einen Computerbildschirm zu starren. Die unnatürliche Belastung unseres wichtigen Sinnesorganes begünstigt Fehlsichtigkeiten. Eine häufige Folge ist auch das sogenannte »trockene Auge«. Dabei beginnt das Auge, zunächst zu tränen und zu brennen. Rötungen und Bindehautentzündungen sind nicht selten. Vor allem im Winter klagen viele Büroangestellte über juckende Augen, ein Gefühl der Trockenheit oder brennende Schmerzen.

Auch hier ist der wichtigste Ratschlag: Gönnen Sie sich regelmäßige Pausen, schließen Sie einfach mal die Augen. Wer die Gelegenheit hat, sollte in der Mittagspause einen kleinen Spaziergang unternehmen (das hilft auch dem Rücken) und den Blick in die Ferne schweifen lassen. Wichtig ist auch der richtige Abstand zum Monitor. Optimal sind etwa 60 Zentimeter. Die Mitte des Bildschirmes sollte geringfügig unterhalb der Augenhöhe liegen. Wer an einem Notebook arbeitet, sollte darauf achten, das Gerät erhöht zu platzieren. Dafür gibt es spezielle Ständer. Ein Stapel dicker Kataloge und eine externe Tastatur erfüllen jedoch auch ihren Zweck.


Kopfschmerzen

Zu den häufigsten gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die im Büro auftreten, gehören akute oder auch chronische Kopfschmerzen sowie Konzentrationsstörungen. Oft werden diese Symptome gar nicht mit den Arbeitsbedingungen in Zusammenhang gebracht. Viele Betroffene greifen auf die Schnelle zu einer Kopfschmerztablette und arbeiten weiter. Es lohnt sich jedoch, Kopfschmerzen nicht zu ignorieren, sondern auf die Suche nach den Ursachen zu gehen. Oft sind es nämlich die üblichen Belastungen des Büroalltages, die zu Kopfschmerz führen: Überheizte Räume, Stress, stickige Luft, Bildschirmarbeit.

Sicher kann eine Schmerztablette kurzfristig Erleichterung verschaffen. Nachhaltiger wirken kleine Pausen, die über den Tag verteilt werden. Gelegentliches Stoßlüften für wenige Minuten sorgt für ein gutes Raumklima und für eine ausreichende Versorgung mit Sauerstoff. Wichtig ist in dem Zusammenhang auch die Beleuchtung des Arbeitsplatzes im Büro. Das Büro sollte gut ausgeleuchtet sein, ohne zu blenden. Ein Konzept mit indirekter Beleuchtung vermeidet irritierende Reflexionen auf dem Bildschirm.


Magen und Verdauung

Bauchschmerzen

Zwei wichtige Faktoren der Büroarbeit können sich negativ auf den Magen-Darm-Bereich auswirken: das Sitzen und die Ernährung.

Die meisten Kantinen bieten heute eine ausgewogene und abwechslungsreiche Kost an. Trotzdem stehen Currywurst, Pommes und Schnitzel ganz weit oben auf den Lunch-Charts. Dazu kommen süße Snacks und oft literweise Kaffee. Das robusteste Verdauungssystem streicht bei dieser Belastung irgendwann die Segel und schlägt mit Magenschmerzen, Verdaungsproblemen oder gar einer Gastritis Alarm. Abhilfe verschafft eine gesunde und leichte Kost, viel Obst und Gemüse und vor allem eine ausreichende Zufuhr von Wasser oder verdünnten Säften.

Doch nicht nur eine problematische Ernährung, auch das lange Sitzen ist eine Zumutung für Magen und Darm. Durch die Sitzhaltung wird der Darm gequetscht. Das Sitzen kann auch zu Durchblutungsstörungen führen, die sich ungünstig auf den Verdauungstrakt auswirken. Die Abhilfe heißt auch hier: Aufstehen, sich bewegen und ausreichende Pausen machen.


Herz und Kreislauf

Herz-Kreislauf

Fast alles, was eine Tätigkeit im Büro ausmacht, wirkt sich negativ auf Herz und Kreislauf aus: Zu viel sitzen. Zu wenig Bewegung. Schlechtes Essen. Stress und hohe Arbeitsbelastung. Der menschliche Organismus hält viel aus, doch irgendwann sind Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Folge. Gerade Arbeitnehmer, die 35 Jahre oder älter sind, sollten regelmäßig an Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen. Die Krankenkassen tragen die Kosten für einen Check alle zwei Jahre. Ansonsten gilt auch hier: Pausen, Ernährung, Bewegung.


Psychische Probleme

Depressionen und Burn-out sind häufige Folgen der hohen Arbeitsbelastung der modernen Arbeitswelt. Wer oft abgeschlagen und müde ist, sich kaum aus dem Bett bewegen kann oder andere Symptomatiken einer Depression verspürt, sollte nicht versuchen, aus falscher Scham selbst mit dem Problem fertig zu werden, sondern sich kompetente Hilfe suchen. Darüber hinaus hilft es immer, sich einen Ausgleich zur belastenden Arbeit zu suchen: Sport und ausreichend sinnvolle Freizeitgestaltung helfen auf jeden Fall.


Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind in der Pflicht

Jeder Arbeitnehmer, der einer Tätigkeit im Büro nachgeht, hat es mit wenigen und einfachen Maßnahmen selbst in der Hand, seine Gesundheit zu schützen. Die Stichworte sind Bewegung, Pausen, Ernährung.

Aber auch die Arbeitgeber müssen ihren Teil leisten. In den meisten Fällen haben verantwortungsbewusste Unternehmen heute erkannt, dass der betriebliche Gesundheitsschutz und gute Arbeitsbedingungen nicht nur den Beschäftigten nutzen, sondern auch dem Unternehmen. Denn häufen sich erst Krankheitstage und Ausfälle durch vermeidbare Bürokrankheiten, kann schlägt sich das schnell und erheblich in den Kosten nieder. Arbeitnehmer, die gesundheitliche Probleme aufgrund der Arbeit verspüren, sollten daher mit ihrem Vorgesetzten offen darüber sprechen. Ist die Einsicht nicht von alleine vorhanden, kann auch der Betriebsrat oder ein Anwalt eingeschaltet werden, denn der Arbeitgeber ist verpflichtet, den Gesundheitsschutz für seine Beschäftigten umzusetzen und beispielsweise für einen ergonomischen Arbeitsplatz zu sorgen oder die Kosten für eine Bildschirmbrille zu tragen.

Unter dem Stich profitieren beide, also sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber, von einem konsequenten Gesundheitsschutz. Beide stehen dafür auch in der Verantwortung.

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