Bürohund – Vor- und Nachteile des neuen Trends

Auf der Seite “Glassdoor” können die Arbeitgeber angeben, ob die Mitarbeiter ihre Hunde in das Büro mitnehmen dürfen oder nicht. In weiterer Folge können die Angestellten dann bewerten, ob sie mit dem Angebot zufrieden sind. Doch wie sinnvoll ist es tatsächlich, wenn der Hund ein Teil des Büroteams wird?

Immer mehr Unternehmen freuen sich über einen Bürohund

Hunde im Büro können Stress reduzieren. / Foto: Sladic / fotolia.com
Hunde im Büro können Stress reduzieren. / Foto: Sladic / fotolia.com

Vor Jahren gab es kaum noch Firmen, die Hunde im Büro erlaubt haben – heute gibt es aber immer mehr Unternehmen, die sich über Bürohunde freuen. Auch der Bundesverband Bürohund e.V. konnte in den letzten Jahren mehr Anfragen verbuchen.

Derzeit gibt es 3.000 Unterstützer und auch Förderer – ein Drittel sind Unternehmen. Sie setzen sich etwa für die Bekämpfung stressinduzierter und psychischer Erkrankungen im Arbeitsleben ein und vertrauen dabei den Vierbeinern.

Doch können Interaktionen zwischen Hund und Mensch tatsächlich dafür sorgen, dass der Mensch gesund bleibt? Ja. Die Forscher der Virgina Commonwealth University haben herausgefunden, dass Hunde sehr wohl Stress reduzieren können. Schwedische Wissenschaftler haben hingegen herausgefunden, dass das Hormon Oxytocin aktiviert wird, wenn der Mensch auf einen Hund trifft.

In weiterer Folge kommt es zu einer direkten Senkung der Stresshormone Cortisol und Insulin.

Welchen Einfluss haben die Hunde auf die Mitarbeiter?

Es war Randolph T. Barker, ein Forscher der Virgina Commonwealth University, der im Jahr 2012 herausgefunden hat, dass Mitarbeiter, die ihre Hunde in das Büro mitnehmen durften, deutlich weniger gestresst waren als jene Kollegen, die ohne tierischer Unterstützung ihre Arbeit verrichten mussten.

Des Weiteren, so die Studienergebnisse, konnte auch die Zufriedenheit aller Mitarbeiter gesteigert werden, sofern sich im Büro ein Hund befand. Barker ist aber nicht der einzige Wissenschaftler, der die Meinung vertritt, dass die Tiere einen positiven Einfluss auf die Stressresistenz, die Gesundheit und auch auf das Konzentrationsvermögen haben.

Heutzutage gibt es schon zahlreiche Forschungen, die am Ende ähnliche Ergebnisse präsentierten. Das liegt vor allem an der Ausschüttung des Hormons Oxytocin. Das Hormon erhöht einerseits die Bindung und animiert zu sozialen Kontakten, wobei andererseits eine Senkung des Blutdrucks eintritt – es kommt also zu einer langsameren Herzfrequenz und somit zu einem Abbau des Stresshormons Cortisol. Wer den Hund regelmäßig streichelt, der wird mehr Oxytocin ausschütten.

In weiterer Folge haben Hunde aber auch einen positiven Einfluss auf die Gesundheit der Büromitarbeiter: Der Hund muss immer wieder mal vor die Türe, sodass der Mitarbeiter einerseits mehr Bewegung macht, andererseits auch ein paar Pausen einlegt, sodass er nicht ständig vor dem Computer sitzt. Auch kleine Spielpausen helfen den Mitarbeitern, wenn sie Anspannungen oder Stress abbauen möchten.

Hunde im Büro sorgen für eine geringere Burnout-Gefahr. / Foto: chika_milan / fotolia.com
Hunde im Büro sorgen für eine geringere Burnout-Gefahr. / Foto: chika_milan / fotolia.com

Auch der Bundesverband Bürohunde e.V. weiß, dass Hunde durchaus Vorteile mit sich bringen, wenn sie in das Büro mitgenommen werden dürfen: Es besteht ein geringeres Burnout-Gefahr, das Schlaganfall-Risiko ist niedriger, es gibt weniger Fehltage, es besteht ein geringeres Risiko für psychische Erkrankungen und auch ein geringeres Risiko für Herzinfarkte. Die Tatsache, dass die Mitarbeiter scheinbar gesund bleiben, wenn am Arbeitsplatz Hunde erlaubt sind, sorgt natürlich auch für eine Kostenreduktion. Mitarbeiter, die weniger Fehltage haben, verursachen keine zusätzlichen Mehrkosten.

Des Weiteren sind Hunde auch gerne in der Außenkommunikation gesehen. Das weiß auch Hermann, der Bürohund von “beepop media”, einem Unternehmen aus Hamburg. Er darf sich über extrem viele Fans freuen, die unter dem Hashtag #hermannsleeps skurrile Einblicke bekommen, die auf der Plattform Instagram präsentiert werden. Sven Wiesner, das Herrchen von Hermann, hätte sich zu Beginn nie gedacht, wie sehr Leute begeistert werden können, wenn der Hund ein Teil des Büroalltages wird.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

“Heutzutage wissen wir, dass sich die Arbeitnehmer auf einige Vorteile freuen dürfen, wenn es im Büro einen Hund gibt. Oxytocin, das sogenannte Feel-Good-Hormon, macht uns gesünder, loyaler, empathischer und auch zufriedener. Das Risiko, dass der Arbeitnehmer psychisch oder auch körperlich erkrankt, kann definitiv reduziert werden. Somit darf sich auch der Arbeitgeber über motivierte und gesunde Mitarbeiter freuen”, so Markus Beyer, der erste Vorsitzende des Verbandes Bürohund e.V.

Zudem kann die Unternehmensführung auch zeigen, dass sie im Sinne der Mitarbeiter handeln, wenn Bürohunde erlaubt werden. “Viele Unternehmen, die heutzutage Hunde erlauben, konnten sich von den alten, verkrusteten und auch krankmachenden Strukturen befreien.

Heute sind Unternehmen, die Hunde erlauben, erfolgreicher als jene Firmen, die noch immer der Meinung sind, ein Tier hätte im Büro keinen Platz”, weiß Beyer. Doch auch wenn es viele Argumente gibt, die für einen Bürohund sprechen, so sollte der Mitarbeiter im Vorfeld auch den Chef kontaktieren und nachfragen, ob sein Hund geduldet wird oder nicht.

Zudem sollten mehrere Rahmenbedingungen erfüllt sein, bevor das Tier in das Büro mitgenommen wird:

  • Die Geschäftsleitung muss einverstanden sein – wer seinen Hund mitnimmt, ohne im Vorfeld mit dem Chef Rücksprache gehalten zu haben, muss mit Konsequenzen rechnen
  • Auch die Kollegen müssen einverstanden sein – Kollegen, die Angst vor Hunden haben, sollten im Vorfeld kontaktiert werden
  • Wichtig ist, dass sich im Unternehmen keine Allergiker befinden
    Der Hund benötigt einen festen Rückzugsort mit einem Schlafplatz, braucht tiergerechtes Spielzeug und auch einen Wassernapf
  • Des Weiteren sollte der Hund auch gut erzogen sein; wichtig ist, dass sich der Hund auch für längere Zeit still verhält oder mitunter auch alleine im Büro bleibt
Mitunter kann es Wochen dauern, bis der Hund von allen Mitarbeitern akzeptiert wird. / Foto: Monika Wisniewska / fotolia.com
Mitunter kann es Wochen dauern, bis der Hund von allen Mitarbeitern akzeptiert wird. / Foto: Monika Wisniewska / fotolia.com

Problematisch wird es natürlich, wenn sich im Team Mitarbeiter befinden, die panische Angst vor Hunden haben. Das heißt aber nicht, dass das Projekt Bürohund sofort beendet werden muss. Mitunter kann den betroffenen Personen bei der Angstbewältigung geholfen werden. Hier muss der Halter jedoch vorsichtig und geduldig sein – mitunter kann es mehrere Wochen dauern, bis der Hund von allen Mitarbeitern akzeptiert wird.

Auf was müssen die Mitarbeiter achten?

“Wer den Hund in das Büro mitnimmt, der muss dafür sorgen, dass sich das Tier wohlfühlt. Das heißt, dass der Hund sehr wohl über einen Rückzugsort verfügt”, so Lea Schmitz vom Tierschutzbund.

“Der Halter muss immer auf etwaige Stresssignale achten und in weiterer Folge auch reagieren können. Wichtig ist, dass sich der Halter in den Pausen mit dem Tier beschäftigt und darauf achtet, dass der Hund auch genügend Auslauf bekommt. Natürlich darf auch die Anfahrt nicht zu stressig sein. Hunde, die gerne mit dem Auto fahren und noch nie mit dem Bus oder der Bahn gefahren sind, können zu Beginn Angst haben.”

Sind die Voraussetzungen erfüllt, so spricht jedoch nichts gegen einen Hund im Büro. Vor allem hat der Mitarbeiter dann auch keine Schuldgefühle, wenn er einmal länger bleiben muss. Schlussendlich wartet der Hund ja nicht daheim – er liegt im Büro und genießt vielleicht sein etwas längeres Nachmittagsschläfchen.

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