Bin ich fürs Home-Office geeignet?

Viele Unternehmen in Deutschland zentralisieren Standorte und sehen sich mit dem zunehmenden Fachkräftemangel konfrontiert. Darüber hinaus soll die Arbeitswelt flexibler werden, die Digitalisierung schreitet voran, unsere Straßen werden immer voller, Burnout und andere psychische Belastungen nehmen zu. Eine Menge an Herausforderungen für die moderne Arbeitswelt.

Ein oft genanntes und vielfach genutztes Mittel gegen all diese Probleme ist die Arbeit vom Home-Office aus. Ob Sie das Zeug für die Arbeit von zu Hause aus haben, und welche Vor- und Nachteile das Home-Office aus Sicht des Arbeitnehmers und -gebers hat, wollen wir in diesem Beitrag zeigen.


Viele träumen davon, in den eigenen vier Wänden zu können – doch ist auch jeder dafür geeignet? Angenommen, Ihr Arbeitgeber würde dies ermöglichen – wäre dies etwas für Sie?

Pro und Contra Home Office

Das Arbeiten im Home Office und Vor- und Nachteile. / Foto: undrey / fotolia.com

Mehr Produktivität: Das Home Office ist eine wahre Win-Win Situation. Arbeitnehmer und Arbeitgeber profitieren gleichermaßen, denn der Output ist durch weniger Störungen (etwa durch Kollegen) und Wegfallen der Wegstrecken bis zu 10 % höher als bei der Präsenzvariante.

Auch die Konzentration ist dadurch gesteigert – im (richtig gestalteten) Home Office kann ich Störquellen selbst beeinflussen und wenn nötig abstellen – kein Diskutieren über Radio an oder aus, keine Hintergrundgespräche, kein Klingeln bei Telefonen an die ja doch keiner ran geht, keine Geburtstagspartys im Großraumbüro, keine Kollegen/innen mit knapper Kleidung, kein nerviger Chef etc.

Vorteile für die Arbeitgeber: Die tatsächliche Arbeitszeit des Mitarbeiters ist meist länger als die vor Ort. Das relativiert sich für den Arbeitnehmer jedoch durch die fehlende An- und Abfahrt zum Arbeitsplatz.

Ein weiterer Vorteil ist, dass sich die Belegschaft, beispielsweise bei einer Grippewelle nicht im Büro ansteckt und somit eine nicht unerhebliche Menge Personal ausfällt.

Das Weiterarbeiten für andere Arbeitgeber während der Arbeitsunffähigkeit ist nicht erlaubt / Foto: drubig-photo / fotolia.com
Im Home Office stecken Sie Ihre Kollegen bei Krankheit nicht an. / Foto: drubig-photo / fotolia.com

Doch der Arbeitsplatz zu Hause hat durchaus auch Nachteile:

Ihr Chef sieht Sie seltener und dadurch geraten Sie aus seinem Fokus. Dadurch erhalten Sie weniger Anerkennung, werden bei Projekten mitunter übergangen und werden eventuell bei Beförderungen und Gehaltserhöhungen nicht gesehen.

Profilierungssüchtige Kollegen könnten Ihnen Projekte abspenstig machen, Lorbeeren für sich einheimsen, gegen Sie noch leichter intrigieren als wären Sie ständig vor Ort.

Darüber hinaus erfordert die Arbeit in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus auch Opfer von Ihnen: Sie verlieren den sozialen Kontakt mit den Kollegen, müssen sich selbst organisieren und vor allem disziplinieren, haben außer übers Telefon keinen Ansprechpartner und sind in den Pausen alleine.

Ob Sie das Zeug zum „Homeworker“ haben, können Sie etwa mit einem Test klären:

Test: Bin ich für´s Home Office geeignet?

Ja oder Nein? Wie gehen Sie mit folgenden Situationen/Fragen um:

1. Bei Problemen entwickeln Sie die Lösung am liebsten alleine
2. Sie können Ihre Aufgaben gut selbst strukturieren und einteilen
3. Sie haben kein Problem damit, alleine zu sein, zu essen, zu arbeiten
4. Sie haben ein sehr gutes Zeitmanagement
5. Ihre Familie/ Freunde respektieren, dass Sie arbeiten müssen, obwohl Sie zu Hause sind
6. Sie können private Aufgaben von beruflichen klar trennen
7. Sie brauchen nicht ständig Lob und Anerkennung von anderen
8. Sie können sich selbst auch für unangenehme Aufgaben motivieren
9. Sie schieben auch schwierige Tätigkeiten nicht auf die lange Bank
10. Sie arbeiten am liebsten in einer ruhigen, selbst gesattelten Umgebung
11. Sie können gut Versuchungen und Ablenkungen wie fernsehen, privatem Surfen/Telefonieren widerstehen
12. Ihre Produktivität hängt nicht von klassischer Büro-Umgebung ab
13. Sie sind auch in der Lage, selbstverantwortlich Arbeitszeiten einzuhalten
14. Sie scheuen erhöhten Dokumentationsaufwand nicht
15. Sie sind bereit, mehr Selbst-PR zu betreiben, um gesehen zu werden
16. Sie arbeiten in Ihrem Gebiet eigenständig und brauchen keine Anleitung
17. Sie können Abgabefristen und Termine gut einhalten
18. Sie kennen sich gut mit modernen Kommunikationsmedien wie Skype, Webex und ähnlichen aus und sind bereit, sie zu nutzen
19. Sie möchten selbst bestimmen, in welchem Umfeld Sie arbeiten
20. Sie wissen, wann es Zeit ist, aufzuhören mit der Arbeit und Feierabend zu machen
21. Ihre Work Life Balance stimmt und Sie sorgen selbst für das richtige Verhältnis
22. Sie können auch ohne Druck von außen Arbeitszeit einhalten und Leistung erbringen
23. Sie verfügen über ein hohes Maß an Selbstvertrauen und kennen Ihre Schwächen
24. Sie arbeiten gerne unabhängig
25. Sie sind in der Lage, auch ohne nonverbaler Kommunikation Botschaften richtig einzuschätzen
26. In Ihrem Haus ist eine schnelle Datenleitung verfügbar

Haben Sie nun mehr Fragen mit „ja“ beantwortet? – Dann kann die selbstorganisierte Arbeit zu Hause durchaus das Richtige für Sie sein.

Falls nein, akzeptieren Sie, dass Sie in der bisherigen Form zu arbeiten besser aufgehoben sind.

Wenn Sie einen Arbeitsplatz zu Hause einrichten, so beachten Sie folgende Punkte:

Casual Workwear
Seien Sie trotz Home Office regelmäßig präsent für Ihren Chef und Ihre Kollegen. / Foto: georgerudy | fotolia.com

Planen Sie regelmäßig Präsenztage ein. Der Kontakt mit Kollegen und Chef darf nicht abreißen – regelmäßiger persönlicher Austausch ist für Home-Worker unerlässlich
Stellen Sie sich Ihren individuellen Arbeitsplan mit klar definierten Pausen auf und halten Sie sich daran.

Trennen Sie klar Privates und Berufliches – idealerweise haben Sie ein abgetrenntes Büro zu Hause in dem auch nur berufliche Dinge aufbewahrt werden.

Widerstehen Sie den Versuchungen zu Hause wie (ach ich könnte ja schnell die Wäsche mache, den Rasen mähen usw.) – tun Sie nichts, was Sie auch nicht während der Arbeitszeit im Büro erledigen würden.

Sorgen Sie für ausreichend Bewegung – gestalten Sie Ihre Pausen aktiv und unbedingt auch mal im Freien.

Treffen Sie sich mit Ihren Kollegen regelmäßig auch außerhalb der Arbeitszeit
Bauen Sie Routinen auf und halten Sie sich daran.

Essen Sie regelmäßig – auch immer wieder in Gesellschaft.

Kleiden Sie sich für die Arbeit entsprechend und gehen Sie geduscht und gepflegt an
Ihren Arbeitsplatz zu Hause.

Investieren Sie zu Hause in sich: zumindest in einen guten Bürostuhl.

Selbst wenn Ihr Arbeitgeber es Ihnen ermöglicht – lohnt sich ein Heimarbeitsplatz für Sie?

Buch lesen im Bus
Bei einem langen Arbeitsweg ist das Home Office oft vorteilhaft. / Foto: stokkete / Fotolia

Auch wenn es verlockend klingen mag, ist das Home-Office in der Realität nicht so praktisch wie gedacht. – Stellen Sie sich deshalb zuvor folgende Fragen:

Ist mein Arbeitsweg länger als eine halbe Stunde (einfach), sodass ich auch wirklich einen Zeitgewinn hätte?

Müsste ich mein Office zu Hause selbst einrichten beziehungsweise bezahlen, oder würde dies der Arbeitgeber übernehmen?

Kann ich das Büro steuerlich absetzen (hierfür müssen bestimmte Vorrausetzungen erfüllt sein)
Bin ich wirklich in der Lage, tagelang alleine zu arbeiten?

Kann oder will ich berufliches und privates wirklich streng voneinander trennen?

Wertvolle Tools, die Ihnen die Arbeit im Home Office erleichtern können:

Eigener Telefonnummer/eigener Anschluss – moderne IP-Anschlüsse bieten Ihnen (zumindest bei der Dt. Telekom) mindestens drei Rufnummern – reservieren Sie eine davon für Ihre Arbeit und programmieren Sie diese ins Telefon.

Trello – eine ToDo- und Organisations-Software, die Ihnen einen einfachen Überblick über Ihre Aufgaben gibt.

Google Kalender – Ein digitaler Kalender, indem Sie Termine zusammen mit Ihren Kollegen planbar machen.

Skype –  damit Sie ihre Kollegen auch beim Telefonieren sehen können

TL;DR – Fazit: Bin ich Home Office tauglich?

Im Homeoffice arbeiten sie selbstverantwortlich. / Foto: Westend61 / fotolia.com

Sagen Sie „Ja“ zum Home-Office wenn Sie diszipliniert, selbstverantwortlich und alleine arbeiten können und wollen.

Ins Home-Office sollten Sie erstmal nur testweise, wenn Sie die Wahlfreiheit haben wollen und zusätzlich ab und zu Kontakt zu den Kollegen suchen.

Nicht ins Home-Office sollten Sie jedoch, wenn Sie eine klare Struktur brauchen, deutliche Trennung zwischen Privatem und Beruflichem und auch immer wieder Input und Anerkennung von außen suchen.

Die meistgenannten Gründe, die am klassischen Präsenz-Büroarbeitsplatz stören:

Schlechtes Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten: ~70 % der Arbeitnehmer beklagen sich über die Atmosphäre am Arbeitsplatz.

Starre/unflexible Arbeitszeiten: Ebenfalls ~70 % vermissen flexible Möglichkeiten der Zeitgestaltung wie Gleitzeit oder ein Arbeitszeitkonto.

Die Gestaltung des Home Office ist Ihnen überlassen. / Foto: Rawpixel.com / fotolia.com

Unattraktive Raumgestaltung: 35 % der deutschen Angestellten hätten eine höhere Arbeitsmoral, wenn ihr Arbeitsplatz ansprechender gestaltet wäre.

Kein Grün im Büro: 28 % bräuchten mehr „lebendige“ Gestaltung durch Zimmerpflanzen, um Optik und Raumklima zu verbessern.

Keine Individualität: Diese wünschen sich 24 %. Für sie wäre der Job angenehmer, könnten sie ihrem Arbeitsplatz eine persönliche Note geben – etwa mit Bildern oder individuelle gestalteten Büroartikel.

Und Großraumbüros: Der Klassiker unter den Gründen für schlechte Laune – Rund zwei Drittel schimpfen regelmäßig über die Arbeitsbedingungen im Gemeinschaftsbüro die sich aus Lärm, schlechter Luft, etc. ergeben.

Hinzu kommen noch Demotivationen und Stressoren die sich durch den Arbeitsweg ergeben: Stau, Zeitaufwand, Zugverspätungen etc.

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