Arbeitszimmer beim Finanzamt steuerlich absetzen – Ratgeber

Wer im Home Office arbeitet, kann sein Büro von der Steuer absetzen. Allerdings muss er dabei einige Regeln beachten. Auch zusätzliche Kosten, die bei der Heimtätigkeit entstehen werden steuerlich anerkannt. Erfahren Sie nachfolgend alle wichtigen Tipps!

Wer kann sein Arbeitszimmer überhaupt steuerlich absetzen?

Grundsätzlich kann jeder sein heimisches Büro von der Steuer absetzen, wenn er hauptberuflich im Home Office arbeitet. Trotzdem unterscheidet das Finanzamt unter bestimmten Varianten und Berufsgruppen. Eindeutig ist die Rechtslage, wenn das Heimbüro im Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit steht. Das heißt, dass man ausschließlich in den eigenen vier Wänden tätig ist.

Dann wird das Büro in unbegrenzter Höhe steuerlich anerkannt. Meist handelt es sich hier um freie Journalisten oder Buchautoren. Ähnlich ist die Sachlage bei Hausfrauen. Sind Hausfrauen nebenberuflich im Home Office tätig, können Sie ihr Büro ebenfalls steuerlich geltend machen. Dabei ist es völlig egal, ob das Büro beispielsweise zum Vertrieb von Kosmetika oder als Versicherungsagentur genutzt wird. Auch Rentner mit Nebenjob können heimische Büroräume von der Steuer absetzen.

Komplizierter wird es bei Berufsgruppe, die am Arbeitsplatz nicht über einen eigenen Schreibtisch verfügen und einen Teil ihrer Arbeit zu Hause erledigen müssen. Betroffen hiervon sind zum Beispiel Lehrer, Vertriebsmitarbeiter, Außendienstler und Freiberufler. In diesen Fällen gilt ein steuerlich absetzbarer Betrag von bis zu 1250 Euro.

Arbeitszimmer absetzen - Weiterbildung
Auch bei Weiterbildungen kann das Arbeitszimmer abgesetzt werden!

Wer sich in einer Fortbildungsmaßnahme befindet, ein Fernstudium absolviert oder an einer Weiterbildung teilnimmt, kann sein Arbeitszimmer ebenfalls beim Finanzamt geltend machen. Dabei ist es völlig unabhängig, welcher Berufsgruppe man angehört. Liegt ein entsprechender Nachweis vor, sind auch die vollen Kosten absetzbar.

Eine weitere große Gruppe nehmen Eltern und Arbeitslose ein. Auch sie können ihren Home Office steuerlich anerkennen lassen. Für Arbeitslose gilt in erster Linie die Jobsuche. Arbeitslose, die ihr Heimbüro zur Jobsuche nutzen, sind zur Absetzung anerkannt. Das gleiche gilt, wenn sich Arbeitslose innerhalb einer Weiterbildungsmaßnahme befinden, die größtenteils in den eigenen vier Wänden durchgeführt wird.

Das können zum Beispiel Online- oder Telekurse sein. Eltern können das Heimbüro steuerlich anerkennen lassen, wenn sie sich in Elternzeit befinden. Vorausgesetzt, dass das Büro für die künftige Jobsuche dient.

Arbeitszimmer absetzten: das sind die Voraussetzungen

Damit das Finanzamt das Heimbüro überhaupt anerkennt, müssen besondere Vorgaben eingehalten werden. Die Größe des Arbeitszimmers spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Grundsätzlich ist es völlig egal, ob das Zimmer nun 5 qm oder 50 qm groß ist.

Das Büro absetzen
Damit ein Büro auch beim Finanzamt als Büro anerkannt wird, sollte es über eine entsprechende Einrichtung verfügen.

Entscheidend ist, dass die Größe des abzusetzenden Büros in einem vernünftigen Verhältnis zur Wohnungsgröße steht. Allgemein gilt, dass noch genügend Platz zum Wohnen vorhanden sein muss. Es gibt hierzu keine gesetzlichen Vorgaben.

Vielmehr ist es Ansichtssache des zuständigen Finanzbeamten. Die Wohnung sollte immer groß genug sein und über genügend Platz zum Wohnen und Arbeiten verfügen. Hier ein Beispiel: Ist die Wohnung 50 qm groß und das Arbeitszimmer 35 qm, bleiben nur 15 qm zum Wohnen. Hier wird kein Finanzbeamter ein absetzbares Home Office anerkennen.

Ist die Wohnung dagegen 50 qm groß, hat eine Wohnfläche von 35 qm und einen Home Office von 15 qm, dürfte es keinerlei Probleme geben.

Das Heimbüro muss immer in einem eigenen Raum liegen, der mit einer Tür verschlossen ist. Galeriewohnungen oder Durchgangszimmer werden vom Finanzamt nicht anerkannt!
Auch bei der Einrichtung sind besondere Vorgaben zu beachten. Zunächst einmal muss das Zimmer mit den beruflich notwendigen Möbeln ausgestattet sein. Dazu gehören beispielsweise ein Schreibtisch, Stühle, Regale, Orderschränke, Bücherregal oder Karteischränke.

Persönliche und private Gegenstände werden nur in einer überschaubaren Anzahl akzeptiert. Dazu gehören zum Beispiel Bilder des Lieblingsmalers, Fotos der Familie, ein Poster der Fußballmannschaft oder Topfpflanzen.

Auch eine kleine Sitzecke oder ein Sessel sind anerkannt. Gästebetten, ganze Sofaecken, TV-Geräte, Kühlschränke oder andere nicht relevante Einrichtungsgegenstände haben dagegen im Arbeitszimmer nicht zu suchen. Das Finanzamt wird in diesem Fall das Arbeitszimmer nicht anerkennen und nicht von der Steuer absetzen lassen.

Wie berechne ich den abzusetzenden Anteil?

Welcher Anteil überhaupt absetzbar ist, wird durch die Größe bestimmt. Die Relation zwischen Arbeitszimmer und Wohnraum muss stimmen. Entscheidend sind neben der Größe auch die Anzahl der Personen, die im Haushalt leben.

Stromkosten Homeoffice absetzen
Stromkosten können ebenfalls anteilig abgesetzt werden

Nimmt man als Beispiel eine Wohnung mit einer Größe von 100 qm, die von zwei Personen bewohnt wird. Hier kann ein Arbeitszimmer von 30 qm durchaus des Absetzens geltend gemacht werden. Anders sieht es hingegen aus, wenn die Wohnung mit vier Personen bewohnt wird. Dann ist das Arbeitszimmer mit 30 qm definitiv zu groß und man darf mit einer Abfuhr vom Finanzamt rechnen.

Die Kosten für das Arbeitszimmer sollten ebenfalls in einem gesunden Verhältnis zu den Wohnraumkosten stehen. Das kann nur geschehen, wenn das Heimbüro eine akzeptable Größe hat. In diesem Fall wird die Miete anteilmäßig angerechnet.

Dieser Anteil sollte von der Kaltmiete errechnet werden. Nebenkosten können ebenfalls abgesetzt werden.

Dazu gehören die gängigen Kosten, wie zum Beispiel Müll, Schornsteinfeger, Wasser- und Stromkosten. Befindet sich im Wohnhaus ein Lift oder werden aufgrund der Lage Straßenreinigungskosten fällig, können auch diese anteilmäßig von der Steuer abgesetzt werden.

Entscheidend für die Anerkennung ist die richtige Definition des Anteils. Der muss immer im genauen Verhältnis zu der genutzten Home-Office-Größe stehen. Nimmt das Heimbüro zum Beispiel 20 % des Wohnraumes ein, dann kann auch nur 20 % bei der Errechnung des Nebenkosten- und Mietanteils gerechnet werden.

Höhere Kosten werden vom Finanzamt unter gar keinen Umständen akzeptiert. Grundsätzlich können die anteiligen Kosten nur bis zu einer Summe von maximal 1250,- Euro geltend gemacht, und somit von der Steuer abgesetzt werden.

Weitere absetzbare Kosten

Unter bestimmten Umständen können auch viele weitere Kosten von der Steuer abgesetzt werden. Telefon- und Internetkosten werden in der Regel vom Finanzamt akzeptiert. Wichtig ist hier, dass sie ausschließlich für das Heimbüro genutzt werden.

Hat die Wohnung zum Beispiel nur einen Telefon- und Internetanschluss, dann kann nur der Anteil des Heimbüros abgesetzt werden. Manche Finanzbeamte erkennen aber die einfache Anteilrechnung nicht an.

Sie können einen Nachweis über beruflich notwendige Telefonate und über die Internetnutzung verlangen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte besser direkt einen zweiten Anschluss nutzen. Kompliziert wird es auch, wenn die private Telefonnummer auch beruflich genutzt wird. Hier wird sich das Finanzamt ganz bestimmt quer stellen. Aus einer Telefonliste ist nämlich nicht gleich ersichtlich, ob privat oder beruflich telefoniert wurde.

Bei der Internetnutzung werden anteilige Rechnungen in der Regel akzeptiert. Das gilt insbesondere, wenn es sich um sogenannte Flatrate-Angebote mit einem festen monatlichen Betrag handelt. Hier kann der Anteil für das Home-Office einfach herausgerechnet werden. Die Kosten für ein beruflich genutztes Handy können voll abgesetzt werden. Das gilt für Nutzungs- und Anschaffungskosten.

Neben den eigentlichen Büroräumen können auch weitere Räume steuerlich geltend gemacht werden. Vorausgesetzt, dass sie unabdinglich für die Nutzung des Büros sind. Erreicht man das Home Office nur über einen Gang oder Flur, kann dieser anteilmäßig abgesetzt werden.

Suchen Kunden das Heimbüro auf, muss im Notfall auch eine Toilette zur Verfügung stehen. Das gilt auch, wenn sich Kundengespräche über eine längere Zeit hinziehen. In beiden Fällen ist auch eine Toilette von der Steuer absetzbar.

Gehört zu der Wohnung ein Parkplatz, wird er zu den Wohnräumen gerechnet. Er kann nur dann abgesetzt werden, wenn ein Nachweis über die berufliche Nutzung vorliegt. Steht er während der Öffnungszeiten den Kunden zur Verfügung kann er abgesetzt werden. Gleiches gilt auch, wenn hier ausschließlich der Firmenwagen parkt und eine private Nutzung nicht vorliegt. In solchen Fällen sind natürlich auch Reinigungskosten des Parkplatzes absetzbar.
Wird das Home-Office neu eingerichtet oder renoviert, sind auch diese Kosten sofort und in voller Höhe absetzbar. Dazu gehören Handwerkskosten, Renovierungskosten und sämtliche Kosten für die Ausstattung, wie zum Beispiel die Anschaffung von Schreibtisch, Regale, Vorhänge oder Stühle.

Auch nachträgliche Einrichtungsgegenstände können im vollen Umfang abgesetzt werden. Das gilt zum Beispiel, wenn sich der Kundenstamm vergrößert und deshalb ein neuer Aktenschrank angeschafft werden muss.

Beruflich genutzte Computer, Drucker oder Bildschirme sind ebenfalls voll absetzbar.

TL;DR Arbeitszimmer absetzen – das müssen Sie beachten

Arbeitszimmer absetzen – alle Fakten zusammengefasst:

  • Arbeitszimmer ist Mittelpunkt beruflicher Tätigkeit: in unbegrenzter Höhe absetzbar
  • Arbeitszimmer ist nicht Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit:  bis zu 1250 Euro absetzbar
  • Größe des Arbeitszimmers muss in vernünftigem Verhältnis zur Wohnungsgröße stehen ( Bsp.: 15m² zu 60m² Wohnungsgröße)
  • Arbeitszimmer muss in einem eigenen Raum liegen, der mit einer Tür verschlossen werden kann
  • Galeriewohnungen oder Durchgangszimmer werden idR nicht anerkannt
  • Eine Sitzecke oder ein Sessel ist im Arbeitszimmer erlaubt
  • Kaltmiete und Nebenkosten können anteilig abgesetzt werden (Müll, Schornsteinfeger, Wasser- und Stromkosten)
  • Internetanschluss kann ebenfalls anteilig abgesetzt werden
  • Handwerkskosten, Renovierungskosten und sämtliche Kosten für die Ausstattung sind absetzbar
  • Anschaffungen, die mehr als 410 Euro kosten, müssen über mehrere Jahre hinweg abgesetzt werden

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