Lärm am Arbeitsplatz reduzieren
Immer wieder und eindeutig zeigen Befragungen von Mitarbeitern: Bei Konzentrationstätigkeiten stört nichts mehr als Lärm am Arbeitsplatz.
Inhalt
Lärm ist der schlimmste Störfaktor im Büro – dabei kennen die wenigsten die Definition: „Schall, der als unangenehm, störend oder belästigend empfunden wird, gefährdet oder schädigt." Während sich Gefährdungen und dauerhafte Schädigungen eindeutig in Dezibel messen lassen, ist „unangenehm, störend oder belästigend" immer auch eine Frage des subjektiven Empfindens.
In Produktionshallen war Lärm früher vor allem eine Frage der Lautstärke. Man begegnete ihm mit dämmenden und dämpfenden Materialien, die den Schalldruck verringerten.

Die Infografik „Störfaktoren am Arbeitsplatz" zeigt: Lärm zählt zu den größten Belastungen im Büro. Gerade bei konzentrierter Bildschirmarbeit kann ein ungünstiges akustisches Raumklima die Leistungsfähigkeit spürbar senken.
Störendste Lärmquelle am Büro-Arbeitsplatz: Gespräche
In heutigen Büros ist die störendste – und zugleich wichtigste – Lärmquelle das menschliche Gespräch. Hören ist nach dem Sehen der wichtigste Informationskanal des Menschen, doch anders als die Augen lassen sich die Ohren nicht schließen. Gegen akustische Reize sind wir also scheinbar machtlos.
Angenehmer Schall kann die Psyche positiv anregen, Körper und Geist motivieren, ja sogar glücklich stimmen. Unangenehmer Schall dagegen geht auf die Nerven: Lärm belästigt, belastet und gefährdet Gesundheit und Wohlbefinden, lähmt die Leistung und erzeugt nachweislich Stress.
Gespräche sind oft die störendste Lärmquelle im Büro und mindern die Leistungsfähigkeit. Dennoch sind die Maßnahmen für den Lärmschutz im Büro häufig noch unzureichend.
„Auf dem Gebiet der Büroakustik bleibt noch viel zu tun, um ein gesundheitskonformes akustisches Milieu zu erreichen – ein akustisches Raumklima, in dem man besser arbeiten, mehr leisten und gesund bleiben kann."
— Professor Theodor Peters
Gerade in Mehrpersonen- und Großraumbüros wird akustische Beratung oft angefragt – und dann doch vergessen. Gemeint ist dabei eher eine Lärmminderungs-Beratung, denn korrekterweise ist Akustik im Gegensatz zu Lärm die Lehre vom Schall.

1995 lagen die Umgebungsgeräusche in Büros – in Zeiten von Nadeldruckern und Schreibmaschinen – bei durchschnittlich 65 dB(A) ; entsprechend schwer verständlich war Sprache. Mit leiseren Computern und Laserdruckern sank der Grundgeräuschpegel ab dem neuen Jahrtausend auf rund 55 dB(A) – wodurch Worte deutlich verständlicher wurden.
Technik sowie Belüftungs- und Klimaanlagen sind heute auf ein Minimum an Geräusch reduziert. Dadurch herrscht selbst in Großraumbüros eine hohe Satz- und Wortverständlichkeit. Und weil uns der Inhalt von Worten stärker ablenkt als gleichmäßiges Rauschen, wird klar: Nicht nur die Lautstärke ist als Lärm zu werten.
Die häufigsten Probleme mit Lärm im Büro
Unter Beachtung der folgenden Punkte lässt sich ein Arbeitsplatz akustisch gut gestalten:
1 Nachhallzeiten: Sie sind in der DIN 18041 für unterschiedliche Raumtypen festgelegt und bilden die Basis guter Büroakustik. Viele harte Flächen wirken bei hoher Geräuschentwicklung unangenehm.
2 Direktschall: In Telefonie-Spitzen schaukelt sich die Lautstärke in Gruppen nach oben – der sogenannte „Lombard-Effekt".
3 Hohe Satz- und Wortverständlichkeit: Kurzbesprechungen und private Gespräche gehören dazu – doch wer sich konzentrieren muss, empfindet sie selbst bei geringer Lautstärke als störend.
Telefonate sorgen in Stoßzeiten für besonders viel Lärm. Dabei erhöhen wir nicht nur die Lautstärke, um verständlich zu sein, sondern auch die Tonlage – was auf Dauer als angespannt wahrgenommen werden kann.
Selbst wenn alle bewusst leise sprechen: Durch die stark reduzierten Technik-Geräusche verstehen wir die Inhalte trotzdem. Und schon einzelne Schlagwörter genügen, um die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Tun wegzulenken.

Was die Arbeitsstätten-Vorgaben zum Lärm sagen
Bürolärm ist auch arbeitsschutzrechtlich geregelt. Maßgeblich ist die Technische Regel ASR A3.7 „Lärm" : Für Tätigkeiten mit hoher Konzentration oder Sprachverständlichkeit gilt ein maximaler Beurteilungspegel von 55 dB(A) , für einfache Bürotätigkeiten 70 dB(A). Als Grundgeräuschpegel werden je nach Raumart etwa 40–45 dB(A) empfohlen.
Für die Raumakustik – insbesondere die Nachhallzeit – ist die DIN 18041 „Hörsamkeit in Räumen" maßgeblich. Speziell für Büros liefert die VDI 2569 „Schallschutz und akustische Gestaltung im Büro" Planungsziele und Raumakustikklassen und gilt als Stand der Technik.
Rechtlicher Rahmen ist die Arbeitsstättenverordnung (Anhang Nr. 3.7) in Verbindung mit dem Arbeitsschutzgesetz: Stellt die Gefährdungsbeurteilung störenden Lärm fest, muss der Arbeitgeber geeignete Maßnahmen ergreifen.
Lösungen, um Bürolärm zu reduzieren
Es gibt viele Anbieter absorbierender Materialien – die natürlichste Form der Lärmminderung wird dabei oft übersehen: Schall baut sich über die Entfernung ab. Schon durch eine durchdachte Anordnung der Arbeitsplätze lässt sich der Abstand zwischen „Sender" und „Empfänger" vergrößern. Praktisch heißt das: keine Dreier- und Viererblock-Stellungen mehr. Das mindert zugleich visuelle Störungen und erhöht die Privatsphäre.
Die neu geschaffene Situation bietet oft die Chance, mehr Arbeitsplätze in besserer Qualität auf der Fläche unterzubringen. Anschließend greift das ABC der Akustik – je nach Raumgestaltung und Arbeitsaufgabe.
Das ABC der Akustik
A Absorb (Dämpfen): Das menschliche Gehör nimmt 20 bis ca. 19.000 Hz wahr, Sprache liegt bei 125 bis 6.000 Hz. Absorber dämpfen diese Frequenzen – idealerweise möglichst nah an der Quelle. Empfehlenswert ist eine Höhe von rund 50 cm über der Tischplatte; Absorber und Sichtschutzelemente wirken auch an harten Wänden und Decken gegen Reflexionen.
B Block (Unterbrechen): In Mehrpersonen- und Großraumbüros lässt sich Schall mit Schränken und Zonierungselementen exzellent unterbrechen. Je nach Höhe und Breite des Objekts kann die Einfügungsdämpfung bis zu 6 dB(A) betragen. Passend sind etwa Trennwände oder Stellwände.
C Cover (Harmonisieren): Das C gleicht den Grundgeräuschpegel aus. Gesprochene Worte erhalten dadurch mehr Privatheit und stören die übrigen Personen im Raum weniger.

Welche Lösung die beste ist, lässt sich am besten in einem Beratungsgespräch klären. Fest steht: Die Akustik beeinflusst Bearbeitungszeiten und Fehlerhäufigkeit. Fehler bedeuten Nacharbeit, Nacharbeit bedeutet Zeitdruck – und Zeitdruck führt zu Stress und weiteren Fehlern. Das muss nicht sein.
Bürolärm bereits an der Quelle vermeiden
Akustikelemente können vorhandenen Schall absorbieren oder seine Ausbreitung begrenzen. Noch besser ist es jedoch, vermeidbare Geräusche gar nicht erst entstehen zu lassen . Neben der räumlichen Planung spielt deshalb auch die Organisation des Büroalltags eine wichtige Rolle.
Besonders in offenen Bürolandschaften können einfache Absprachen dazu beitragen, die Anzahl unnötiger akustischer Unterbrechungen zu reduzieren. Dabei geht es nicht darum, Kommunikation zu verhindern. Vielmehr sollten Gespräche und Telefonate dort stattfinden, wo sie andere Beschäftigte möglichst wenig bei konzentrierten Aufgaben stören.
Solche Vereinbarungen sind besonders wirkungsvoll, wenn sie von allen Personen im Büro gleichermaßen getragen werden. Sie ergänzen die baulichen und akustischen Maßnahmen, indem sie direkt an der Entstehung vermeidbarer Geräusche ansetzen.
Drucker und andere laute Bürogeräte auslagern
Nicht nur Gespräche können den Arbeitsfluss unterbrechen. Auch Drucker, Kopierer und andere gemeinsam genutzte Bürogeräte erzeugen wiederkehrende Geräusche, die insbesondere an unmittelbar angrenzenden Arbeitsplätzen störend wirken können.
Müssen solche Geräte nicht direkt am Arbeitsplatz stehen, sollten sie möglichst in einer separaten Servicezone oder einem eigenen Raum untergebracht werden. Dadurch lässt sich die Geräuschquelle räumlich von den Bereichen trennen, in denen konzentriert gearbeitet wird.
Praxis-Tipp: Bei Neuanschaffungen kann zusätzlich auf die Geräuschentwicklung der Geräte geachtet werden. Besonders häufig genutzte Drucker oder Kopierer sollten nicht unmittelbar neben dauerhaft besetzten Konzentrationsarbeitsplätzen platziert werden.
Eine zentrale Gerätezone bietet noch einen weiteren Vorteil: Die Funktionsbereiche des Büros werden deutlicher voneinander getrennt. Arbeitsplätze bleiben Arbeitsplätze, während Drucken, Kopieren und andere Serviceaufgaben an einem eigenen Ort stattfinden.
Kommunikation und Konzentration räumlich voneinander trennen
Nicht jede Tätigkeit stellt dieselben Anforderungen an die akustische Umgebung. Ein Austausch im Team darf lebendig sein, während anspruchsvolle Aufgaben häufig deutlich mehr Ruhe erfordern. Bei der Büroplanung empfiehlt es sich deshalb, unterschiedliche Arbeitsbereiche entsprechend ihrer Nutzung zu organisieren .
Eine solche Aufteilung geht über eine reine akustische Abschirmung hinaus. Sie sorgt dafür, dass Tätigkeiten mit unterschiedlichen Lautstärken von Anfang an möglichst wenig miteinander konkurrieren.
Rückzugsmöglichkeiten gegen dauerhafte Geräuschbelastung
Ein offenes Büro muss nicht bedeuten, dass jede Aufgabe innerhalb derselben akustischen Umgebung erledigt werden muss. Gerade bei Tätigkeiten mit hohem Konzentrationsbedarf können temporäre Rückzugsmöglichkeiten eine sinnvolle Ergänzung des Arbeitsplatzkonzepts sein.
Kleine Besprechungsräume, Fokusbereiche oder akustisch abgeschirmte Raum-in-Raum-Lösungen geben Beschäftigten die Möglichkeit, sich für bestimmte Aufgaben aus einer kommunikationsintensiven Umgebung zurückzuziehen. Umgekehrt können Telefonate oder Besprechungen in solche Bereiche verlagert werden, damit die übrige Bürofläche ruhiger bleibt.
Grundprinzip: Nicht jede Tätigkeit muss am persönlichen Schreibtisch stattfinden. Je besser ein Büro unterschiedliche Arbeitsweisen unterstützt, desto leichter lassen sich kommunikative und konzentrierte Phasen miteinander vereinbaren.
Persönlicher Lärmschutz für besonders konzentrierte Aufgaben
Zusätzlich zu raumakustischen und organisatorischen Maßnahmen kann in einzelnen Situationen ein individueller Schutz vor störenden Umgebungsgeräuschen hilfreich sein. Das gilt insbesondere für zeitlich begrenzte Konzentrationsphasen, in denen keine permanente telefonische oder direkte Kommunikation notwendig ist.
Der Ratgeber nennt hierfür beispielsweise Ohrstöpsel. Ob und in welcher Form persönlicher Lärmschutz am jeweiligen Arbeitsplatz eingesetzt werden kann, sollte jedoch mit dem Arbeitgeber abgestimmt werden. Wichtige akustische Signale und erforderliche Kommunikation müssen weiterhin wahrgenommen werden können.
Wichtig: Persönlicher Lärmschutz ist eine Ergänzung und kein Ersatz für eine funktionierende Büroakustik. Geräuschquellen sollten zuerst vermieden, räumlich getrennt oder mit geeigneten Akustikmaßnahmen reduziert werden.
Nach lauten Phasen bewusst ruhigere Arbeitsphasen ermöglichen
Störend ist nicht allein die Lautstärke eines einzelnen Geräusches. Auch die Dauer und Häufigkeit akustischer Unterbrechungen beeinflussen, wie belastend eine Arbeitsumgebung wahrgenommen wird. Deshalb kann es sinnvoll sein, kommunikationsintensive und ruhigere Arbeitsphasen bewusst voneinander zu trennen .
Wer nach einer Besprechung, einer längeren Telefonphase oder einer intensiven Zusammenarbeit anschließend anspruchsvolle Einzelarbeit erledigen muss, sollte dafür möglichst auf einen ruhigeren Arbeitsplatz oder Fokusbereich zurückgreifen können.
Moderne Büroplanung berücksichtigt daher nicht nur die durchschnittliche Geräuschkulisse im Raum, sondern bietet unterschiedliche akustische Bedingungen für unterschiedliche Tätigkeiten.
Pflanzen als ergänzendes Element in offenen Büros
Pflanzen können ebenfalls in die Gestaltung offener Büroflächen einbezogen werden. Besonders größere Pflanzen oder Pflanzengruppen eignen sich dazu, Arbeitsbereiche optisch voneinander abzugrenzen und offene Flächen wohnlicher zu strukturieren.
Als alleinige Akustikmaßnahme sollten Pflanzen allerdings nicht betrachtet werden. Wenn Schall gezielt absorbiert oder seine Ausbreitung zwischen Arbeitsplätzen reduziert werden soll, sind dafür vorgesehene Akustikelemente, Stellwände, Deckenabsorber und eine durchdachte Arbeitsplatzanordnung wesentlich wichtiger.
Empfehlung: Pflanzen als Bestandteil eines Gesamtkonzepts einsetzen. Sie können Zonierung und Raumgestaltung unterstützen, sollten professionelle Maßnahmen zur Verbesserung der Büroakustik aber nicht ersetzen.
Bürolärm mit technischen und organisatorischen Maßnahmen reduzieren
Eine gute Büroakustik entsteht nicht durch eine einzelne Maßnahme. Besonders wirkungsvoll ist das Zusammenspiel aus Akustikplanung, sinnvoller Raumaufteilung und einem bewussten Umgang mit Geräuschquellen .
Werden diese organisatorischen Maßnahmen mit der bereits beschriebenen Absorption, Abschirmung und akustischen Zonierung kombiniert, entsteht ein umfassendes Konzept gegen störenden Bürolärm. So wird nicht nur vorhandener Schall reduziert – viele unnötige Geräusche entstehen im Idealfall gar nicht erst.
Fazit und Überblick: Lärm im Büro reduzieren
Mit einer durchdachten Büroplanung lassen sich viele Lärmquellen deutlich entschärfen. Besonders wirksam sind diese Maßnahmen:
1 Abstände zwischen den Büroarbeitsplätzen vergrößern.
2 Abschirmungen möglichst nah an der Schallquelle einsetzen.
3 Das Büro mit Trennelementen, Schränken oder Paneelen in Zonen teilen.
4 Absorbierende Materialien im Raum nutzen.
5 Arbeitsplätze passend zur Tätigkeit planen, damit Konzentration, Telefonie und Zusammenarbeit besser vereinbar sind.
Häufige Fragen zu Lärm im Büro
Was ist die häufigste Lärmquelle im Büro?
Die häufigste und störendste Lärmquelle sind Gespräche. Bei konzentrierter Arbeit lenken verständliche Worte stärker ab als gleichmäßige Hintergrundgeräusche.
Warum stören Gespräche mehr als technische Geräusche?
Gespräche enthalten Bedeutung. Schon einzelne Schlagwörter binden Aufmerksamkeit und führen dazu, dass man dem Gespräch folgt, statt bei der eigenen Aufgabe zu bleiben.
Welche Rolle spielt die Nachhallzeit?
Die Nachhallzeit bestimmt, wie lange Schall im Raum hörbar bleibt. Viele harte Flächen verstärken Geräusche unangenehm, während eine gut geplante Akustik die Raumwirkung verbessert.
Welche Sofortmaßnahmen helfen gegen Bürolärm?
Mehr Abstand zwischen den Arbeitsplätzen, absorbierende Elemente, Trenn- und Stellwände sowie eine sinnvolle Zonierung reduzieren den Lärm im Büro.
Was bedeutet das ABC der Akustik?
Absorb steht für das Dämpfen von Schall, Block für das Unterbrechen von Schallwegen und Cover für das Harmonisieren des Grundgeräuschpegels.
Beitrag erstellt von: Stephan Forstmann, 27.07.2026
Stephan Forstmann ist Autor im Magazin von Büromöbel Experte mit Schwerpunkt auf Home Office, Ergonomie und moderner Büroarbeit. Er verbindet technisches Know-how mit praktischer Erfahrung und vermittelt sein Wissen verständlich und anwendungsnah. Als selbstständiger Fotograf im Nebenberuf arbeitet er selbst im Home Office und kennt die Anforderungen moderner Arbeitsplätze aus eigener Praxis. Sein Fokus liegt auf effizienten, gesunden und gut organisierten Arbeitsumgebungen.
