Arbeiten im Stehen: sinnvoll oder nicht?
Viele Menschen verbringen einen großen Teil ihres Arbeitstages im Sitzen. Besonders bei der Bildschirmarbeit bleibt Bewegung dabei schnell auf der Strecke. Langes, bewegungsarmes Arbeiten kann mit Beschwerden des Muskel-Skelett-Systems in Verbindung stehen.
Eine Möglichkeit, mehr Bewegung in den Büroalltag zu bringen, ist das Arbeiten im Stehen . Vor allem ein höhenverstellbarer Schreibtisch erleichtert den regelmäßigen Wechsel zwischen Sitzen und Stehen.
Wichtig ist allerdings: Dauerhaftes Stehen ist nicht automatisch gesünder als dauerhaftes Sitzen. Entscheidend ist die Abwechslung. Die BAuA empfiehlt deshalb eine sogenannte Steh-Sitzdynamik , bei der sitzende Tätigkeiten regelmäßig durch Stehen und Bewegung unterbrochen werden. Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), „Steh-Sitzdynamik“, Themenbereich Moderne Bildschirmarbeit.
Inhalt
- Welche Probleme kann langes Sitzen verursachen?
- Arbeiten im Stehen: Das sind die Vorteile
- Vorteile auf einen Blick
- Welche Hilfsmittel erleichtern das Arbeiten im Stehen?
- Häufige Fehler beim Arbeiten im Stehen
- Motivation und Produktivität
- Welche Nachteile kann langes Stehen haben?
- Sitzen, Stehen und Bewegen kombinieren
- Fazit
- Häufige Fragen
Welche Probleme kann langes Sitzen verursachen?
Sitzen gehört für viele Büroangestellte ganz selbstverständlich zum Arbeitsalltag. Problematisch kann es vor allem dann werden, wenn über längere Zeit nahezu unverändert in derselben Position gearbeitet wird. Bei der Gestaltung von Bildschirmarbeit sollen körperliche Belastungen und Gefährdungen berücksichtigt und durch geeignete Maßnahmen möglichst reduziert werden.
Bei einer dauerhaft statischen beziehungsweise ungünstigen Körperhaltung können insbesondere Beschwerden im Rücken, Nacken und Schulterbereich auftreten. Eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes und ausreichende Möglichkeiten zum Wechsel der Körperhaltung gehören deshalb zu den wichtigen Maßnahmen bei der Gestaltung von Büro- und Bildschirmarbeitsplätzen. Quelle: BAuA, Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A6 „Bildschirmarbeit“, Ausgabe Juli 2024; DGUV Information 215-410 „Bildschirm- und Büroarbeitsplätze - Leitfaden für die Gestaltung“, Ausgabe Juli 2019.
Gleichzeitig bedeutet langes Sitzen häufig auch wenig körperliche Aktivität. Die Weltgesundheitsorganisation weist darauf hin, dass sedentäres Verhalten mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein kann und empfiehlt Erwachsenen, sedentäre Zeiten zu begrenzen und regelmäßig körperlich aktiv zu sein.
Wichtig: Nicht das Sitzen an sich sollte pauschal als gesundheitsschädlich bezeichnet werden. Entscheidend sind unter anderem Dauer, Körperhaltung, Arbeitsplatzgestaltung und die Möglichkeit, die Tätigkeit regelmäßig zu unterbrechen beziehungsweise die Körperhaltung zu wechseln.
Arbeiten im Stehen: Das sind die Vorteile
Der wesentliche ergonomische Vorteil des Stehens liegt im Wechsel der Körperhaltung . Wer den Schreibtisch zwischendurch hochfährt, unterbricht die bisherige Sitzposition und verändert die körperliche Beanspruchung.
Für die Arbeitsplatzergonomie ist dabei nicht entscheidend, möglichst lange zu stehen. Vielmehr sollen statische Arbeitshaltungen regelmäßig unterbrochen werden.
Besonders sinnvoll ist es, Stehphasen mit kleinen Bewegungen zu kombinieren. Gewichtsverlagerungen, einige Schritte während eines Telefonats oder ein kurzer Gang durch das Büro erhöhen die körperliche Aktivität.
Warum sich der Wechsel der Arbeitshaltung lohnt
Für einen bewegungsorientierten Büroarbeitsplatz empfiehlt sich, längere Sitzphasen durch Tätigkeiten im Stehen zu unterbrechen. Statt über Stunden ausschließlich in derselben Position zu arbeiten, können Sitzen, Stehen und Bewegung miteinander kombiniert werden.
Durch den Wechsel verändert sich die körperliche Beanspruchung. Dabei geht es weniger darum, einer einzelnen Haltung eine pauschale gesundheitliche Wirkung zuzuschreiben, sondern statische Belastungen zu unterbrechen und mehr Bewegung in den Tagesablauf zu integrieren .
Auch bei Gesprächen oder kurzen Abstimmungen kann das Stehen praktisch sein. Telefonate, Videokonferenzen oder kurze Besprechungen müssen nicht zwangsläufig im Sitzen stattfinden. Dadurch entstehen im Laufe des Tages zusätzliche Positionswechsel.
Einfacher wechseln mit einem höhenverstellbaren Schreibtisch
Besonders komfortabel lässt sich die Sitz-Stehdynamik mit einem elektrisch höhenverstellbaren Schreibtisch umsetzen. Die Arbeitsfläche kann innerhalb kurzer Zeit von der Sitz- auf die passende Stehhöhe gebracht werden.
Modelle mit einer Memoryfunktion machen den Wechsel besonders unkompliziert: Einmal gespeicherte Sitz- und Stehhöhen lassen sich per Tastendruck wieder aufrufen.
Einen besonders geeigneten Arbeitsplatz für die Steh-Sitzdynamik sieht die BAuA in einem leicht elektromotorisch höhenverstellbaren Arbeitstisch, an dem sowohl im Sitzen als auch im Stehen gearbeitet werden kann.
Vorteile des Arbeitens im Stehen auf einen Blick
Richtig eingesetzt kann die Stehposition einen abwechslungsreicheren und bewegungsorientierten Büroalltag unterstützen. Im Mittelpunkt steht dabei der regelmäßige Haltungswechsel.
1. Andere Körperhaltung
Die sitzende Arbeitsposition wird unterbrochen und durch eine andere Haltung ersetzt.
2. Weniger statisches Arbeiten
Regelmäßige Wechsel unterbrechen längere Phasen in derselben Arbeitsposition.
3. Mehr Möglichkeiten für Bewegung
Aus der stehenden Position lassen sich kurze Wege oder Positionswechsel leicht in den Arbeitsablauf integrieren.
4. Regelmäßige Haltungswechsel
Die BAuA beschreibt zwei bis vier Haltungswechsel pro Stunde als positive Orientierung.
5. Aktiver Arbeitsalltag
Telefonate und kurze Besprechungen können beispielsweise im Stehen oder Gehen stattfinden.
6. Mehr Abwechslung
Unterschiedliche Körperhaltungen bringen mehr Dynamik in einen ansonsten häufig sitzenden Arbeitsalltag.
Welche Hilfsmittel erleichtern das Arbeiten im Stehen?
Am einfachsten gelingt der Positionswechsel mit einem höhenverstellbaren Schreibtisch . Er ermöglicht es, dieselbe Arbeitsfläche sowohl im Sitzen als auch im Stehen zu nutzen.
Eine Alternative können Stehpulte oder Schreibtischaufsätze sein. Auch damit lassen sich zumindest einzelne Arbeitsphasen im Stehen gestalten.
Zusätzlich sollten Arbeitsplatz und Arbeitsmittel individuell angepasst werden. Die ergonomische Gestaltung von Arbeitstisch, Bürostuhl, Bildschirm und Eingabemitteln gehört zu den zentralen Bestandteilen eines geeigneten Bildschirmarbeitsplatzes.
Häufige Fehler beim Arbeiten im Stehen
Wer bisher fast ausschließlich im Sitzen gearbeitet hat, sollte das Ziel nicht darin sehen, plötzlich den gesamten Arbeitstag im Stehen zu verbringen. Auch beim Stehen sollte eine dauerhaft statische Position vermieden werden.
Als Orientierung nennt die BAuA zwei bis vier Haltungswechsel pro Stunde. Stehphasen sollten dabei nicht länger als etwa 20 bis 30 Minuten dauern. Quelle: BAuA, „Steh-Sitzdynamik“, Themenbereich Moderne Bildschirmarbeit.
Zu lange statisch stehen
Auch eine dauerhaft unveränderte Stehhaltung entspricht nicht dem Prinzip der Steh-Sitzdynamik. Wechseln Sie deshalb regelmäßig Ihre Position.
Schreibtisch zu hoch
Ist die Arbeitsfläche ungünstig eingestellt, kann eine ergonomische Arbeitshaltung erschwert werden. Die Höhe sollte deshalb an die individuellen Körpermaße angepasst sein.
Schreibtisch zu niedrig
Auch eine zu niedrige Einstellung kann eine ungünstige Körperhaltung begünstigen. Entscheidend ist eine individuell passende Einstellung des Arbeitsplatzes.
Starr stehen
Verlagern Sie das Gewicht, verändern Sie den Stand und gehen Sie zwischendurch einige Schritte.
Wie hoch sollte der Schreibtisch beim Stehen sein?
Die passende Tischhöhe hängt von der individuellen Körpergröße und den Körperproportionen ab. Arbeitsplatz und Arbeitsmittel sollten so eingerichtet sein, dass eine möglichst neutrale Körperhaltung unterstützt wird.
Als praktische Orientierung sollten Sie aufrecht und entspannt vor dem Tisch stehen können. Lassen Sie die Schultern locker und positionieren Sie die Arbeitsfläche so, dass Tastatur und Maus ohne dauerhaft ungünstige Haltung bedient werden können.
Entscheidend ist deshalb weniger ein pauschaler Zentimeterwert als eine individuell passende ergonomische Einstellung . Quelle: DGUV Information 215-410 „Bildschirm- und Büroarbeitsplätze - Leitfaden für die Gestaltung“, Ausgabe Juli 2019.
Kann Arbeiten im Stehen Motivation und Produktivität verbessern?
Eine veränderte Körperhaltung kann subjektiv als abwechslungsreich oder aktivierend empfunden werden. Daraus sollte allerdings nicht pauschal abgeleitet werden, dass Arbeiten im Stehen automatisch produktiver macht.
Aus ergonomischer Sicht steht vor allem die Unterbrechung langer statischer Arbeitsphasen im Vordergrund. Für konzentrierte Aufgaben kann Sitzen ebenso sinnvoll sein wie Stehen für andere Tätigkeiten.
Welche Nachteile kann langes Stehen haben?
Auch Stehen sollte nicht über sehr lange Zeit unverändert beibehalten werden. Eine dauerhaft starre Stehhaltung entspricht ebenso wenig einem dynamischen Arbeitsalltag wie stundenlanges Sitzen.
Deshalb ist ein höhenverstellbarer Schreibtisch vor allem dann sinnvoll, wenn er tatsächlich für regelmäßige Positionswechsel genutzt wird.
Merksatz: Stehen ist eine sinnvolle Möglichkeit, lange Sitzphasen zu unterbrechen - ersetzt körperliche Aktivität aber nicht. Quelle: World Health Organization (WHO), „WHO Guidelines on Physical Activity and Sedentary Behaviour“, 2020.
Die bessere Lösung: Sitzen, Stehen und Bewegen kombinieren
Für einen ergonomischen Büroalltag geht es nicht darum, Sitzen vollständig durch Stehen zu ersetzen. Sinnvoller ist ein dynamischer Wechsel verschiedener Körperhaltungen.
Sitzen
Für viele konzentrierte Bildschirmaufgaben ist Sitzen eine normale Arbeitsposition. Wichtig sind eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung und regelmäßige Haltungswechsel.
Stehen
Stehphasen können längere Sitzphasen unterbrechen und bringen Abwechslung in die Arbeitshaltung.
Bewegen
Körperliche Aktivität ergänzt den Haltungswechsel. Kurze Wege und Bewegungspausen lassen sich unkompliziert in viele Arbeitstage integrieren.
So bringen Sie mehr Bewegung in Ihren Arbeitstag
- Telefonieren Sie regelmäßig im Stehen oder Gehen.
- Wechseln Sie während des Tages mehrfach zwischen Sitz- und Stehhöhe.
- Gehen Sie persönlich zu Kollegen, wenn sich dadurch zusätzliche Bewegung integrieren lässt.
- Nutzen Sie Treppen, wenn es für Sie möglich ist.
- Nutzen Sie kurze Pausen für einige Schritte.
- Führen Sie geeignete kurze Besprechungen im Stehen oder Gehen durch.
- Vermeiden Sie auch während der Stehphasen eine dauerhaft starre Körperhaltung.
Fazit: Ist Arbeiten im Stehen sinnvoll?
Ja - wenn Stehen als Bestandteil eines abwechslungsreichen Arbeitsalltags genutzt wird. Ein höhenverstellbarer Schreibtisch ermöglicht es, längere Sitzphasen unkompliziert zu unterbrechen und die Körperhaltung regelmäßig zu verändern.
Dauerhaftes Stehen ist dagegen nicht das Ziel. Ergonomisch sinnvoll ist vor allem der regelmäßige Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Bewegung .
Ein höhenverstellbarer Arbeitsplatz ist deshalb weniger als reiner „Steharbeitsplatz“ zu verstehen, sondern vielmehr als Möglichkeit, den Arbeitstag dynamischer zu gestalten.
Häufige Fragen zum Arbeiten im Stehen
Ist Stehen am Schreibtisch gesünder als Sitzen?
Eine solche pauschale Aussage lässt sich nicht treffen. Aus ergonomischer Sicht ist vor allem wichtig, lange statische Körperhaltungen zu vermeiden und regelmäßig zwischen unterschiedlichen Positionen zu wechseln.
Wie lange sollte man am Stück im Stehen arbeiten?
Als Orientierung nennt die BAuA Stehphasen von etwa 20 bis 30 Minuten und zwei bis vier Haltungswechsel pro Stunde .
Brauche ich einen höhenverstellbaren Schreibtisch?
Zwingend notwendig ist er nicht. Ein höhenverstellbarer Schreibtisch ist jedoch besonders komfortabel, weil dieselbe Arbeitsfläche sowohl im Sitzen als auch im Stehen genutzt werden kann.
Was ist beim Arbeiten im Stehen besonders wichtig?
Wichtig sind eine individuell passende Arbeitsplatzhöhe, regelmäßige Positionswechsel, eine entspannte Körperhaltung und ausreichend Bewegung.
Ersetzt ein Stehschreibtisch Bewegung?
Nein. Ein Stehschreibtisch erleichtert den Haltungswechsel, ersetzt jedoch keine körperliche Aktivität oder regelmäßige Bewegungspausen.


